Klimafreundlich wohnen Qulle: Yvonne Röder

Alte Häuser, neues Leben #klimafreundlichWohnen

Bis ins hohe Alter im Einfamilienhaus? Andere Wohnformen bieten Chancen – auch für Gesellschaft und Natur, sagt Dr. Corinna Fischer vom Öko-Institut. DR. Corinna Fischer, Quelle: Öko-Institut

Die Kinder sind ausgezogen, man lebt alleine oder zu zweit in einem Haus, das einmal für eine Familie gebaut wurde. So geht es rund acht Millionen Menschen in Deutschland.

Der eine oder die andere macht sich vielleicht Gedanken, wie es weitergeht. Klar, das Haus ist einem ans Herz gewachsen. Viele Erinnerungen hängen daran. In der Nachbarschaft fühlt man sich wohl. Auf der anderen Seite wird es vielleicht zunehmend beschwerlich, das große Haus in Ordnung zu halten. Die Treppe könnte in Zukunft ein Hindernis werden. Manche Räume werden gar nicht gebraucht. Und die Heizkosten sinken auch nicht gerade, besonders, wenn die CO2-Abgabe steigt.

Was käme in Frage? Wenn es in der Nähe eine kleinere, barrierefreie Wohnung mit Terrasse gäbe, ein Serviced Apartment oder ein Mehrgenerationenhaus, würde man vielleicht dorthin ziehen. Oft kann man ein Haus auch so umbauen, dass eine zweite Partei darin wohnen kann. Oder vielleicht ist sogar schon eine Einliegerwohnung vorhanden. In unserem Projekt „LebensRäume“ haben wir hochgerechnet: Im Kreis Steinfurt in NRW stehen rund 5.000 Einliegerwohnungen leer. Sie könnten vermietet werden, so dass man etwas Gesellschaft und ein kleines Zusatzeinkommen hätte.

Solche Optionen nützen auch der Gesellschaft – und der Natur. Wenn Bestandsimmobilien an Familien verkauft werden, muss weniger neu gebaut werden. Das heißt: weniger Flächenverbrauch auf der grünen Wiese, weniger Erschließungskosten für die Gemeinde. Wer Wohnungen an Studierende, Auszubildende oder vielleicht ein anderes älteres Paar vermietet, tut etwas gegen Wohnungsmangel. Und mit der Wohnfläche werden auch jede Menge Heizenergie und CO2 gespart.

Dafür braucht es allerdings das Engagement der Kommunen. Statt neue Einfamilienhausgebiete zu erschließen, könnten barrierefreie Wohnungen in oder nahe bei Bestandsgebieten errichtet werden. Wer umziehen oder umbauen will, braucht qualifizierte Beratung und praktische Unterstützung. Vermietungen verlangen oft eine vertrauenswürdige Vermittlung. Ideen und Konzepte dafür gibt es, zum Beispiel in den Projekten LebensRäume (www.oeko.de/lebensraeume) und OptiWohn (https://www.wohnen-optimieren.de/). Vielleicht wird dann auch die Debatte über neue Einfamilienhäuser weniger erbittert geführt.

Dr. Corinna Fischer, Gruppenleiterin „Nachhaltige Produkte und Konsum“ im Institutsbereich Produkte & Stoffströme im Büro Darmstadt.

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Kommentare
  1. W. Paul

    Gut beschrieben, und völlig richtig. In „unserem Haus“ wuchsen von 1965 bis 1990 fünf Kinder auf, von 1990 bis 2010 unsere vier Kinder, und nun wird es höchste Zeit für die Übergabe…wir werden wieder Mieter und im kleineren Setting.

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