Chinas Weg zur Kreislaufwirtschaft und nachhaltigen Landwirtschaft

China hat 2017 nach Angaben der Weltbank 210 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle produziert. Nur die USA produzierten mit etwa 260 Mio. Tonnen mehr. Ab dem 1. Juli 2019 bricht ein neues Abfallzeitalter in China an, der Müll wird ab da getrennt gesammelt, zumindest in einigen großen Städten, zu denen auch Shanghai gehört. Diese erproben die Mülltrennung bis sie chinaweit eingeführt wird. Aus diesem Anlass haben die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und das Shanghai Academy of Social Sciences (SASS) als Thema des 5. Forums Grüner Entwicklung am 4. und 5. September 2019 in Shanghai „China und Deutschland auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft“ gewählt. Von deutscher Seite aus werden neben der FES auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), das Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) und das Öko-Institut teilnehmen. Günter Dehoust, Experte für nachhaltige Stoffströme und Kreislaufwirtschaft, berichtet aus China.

Start mit Hindernissen

In Shanghai wird seit Juli der Müll in vier Fraktionen getrennt: feuchter Abfall (Lebensmittelreste aus Haushalten), recycelbare Abfälle, Restmüll und gefährliche Abfälle. Die getrennten Abfälle müssen zu bestimmten Zeiten morgens und abends zu den Sammelstellen gebracht werden. Dort prüfen Kontrolleurinnen und Kontrolleure, ob der Müll richtig getrennt wurde.

Bisher ist die Zustimmung zu dem neuen System noch begrenzt. Viele sagen, das System sei zu kompliziert und nicht praktikabel. Wer falsch getrennten Müll entsorgt, muss mit Strafen rechnen: Firmen zahlen bis zu 730 Euro, private Abfallentsorger bis zu 30 Euro.

Schon vor dem Start des Systems wurde als neues Geschäftsmodell ein Abfallentsorgungsservice angeboten, der denen, die es sich leisten können, die Trennung der Abfälle und deren Entsorgung abnimmt. Die Preise dafür liegen zwischen fünf und acht Euro je Monat, je nachdem in welchem Stockwerk die überforderten Müllproduzenten und -produzentinnen wohnen. Die Nachfrage soll hoch sein.

Zurzeit produzieren etwa 24 Millionen (offiziell gemeldete) Einwohnerinnern und Einwohner in Shanghai etwa zehn Millionen Tonnen Haushaltsabfälle pro Jahr. Je Einwohner und Einwohnerin also ungefähr 420 Kilogramm pro Jahr. Davon sind bisher 70 Prozent Restabfälle, 18 Prozent Lebensmittelabfälle und 12 Prozent recycelbare Abfälle. Bis 2020 sollen es 35 Prozent „recycelbare“ Abfälle sein, nicht nur in Shanghai, sondern auch in 45 weiteren Städten. In Shanghai sollen dazu noch in diesem Jahr zehn neue Recyclingcenter eröffnet werden.

Abfallverbrennungsanlagen laufen schon viele in China, zum Teil auch aus eigener Produktion. Der Betrieb bringt allerdings noch erhebliche Probleme mit sich. Zum einen ist der Restmüll wegen den hohen Anteilen an Lebensmittelabfällen sehr feucht und brennt nur schlecht. Zum anderen gibt es in China kein Abfallgebührensystem, mit dem die, bei der Verbrennung entstehenden, Kosten finanziert werden. Die Anlagen sollen sich selbst tragen, bei staatlichen Unterstützungen, die scheinbar nicht ausreichen.

Natürlich ist für die Diskussion des gemeinsamen Wegs in die Kreislaufwirtschaft auch von Interesse, dass China 2018 die Importe von „minderwertigen“ Wertstofffraktionen aus amerikanischen und europäischen Abfällen gestoppt hat. Ein aus Sicht der Prämissen einer autarken und ortsnahen Abfallentsorgung richtiger und notwendiger Schritt, der nicht zuletzt in Deutschland dazu beigetragen hat, dass die Verbrennungsanlagen mehr als nur ausgelastet sind und die Lager der Entsorger überquellen.

Es bleibt abzuwarten, welche Details wir bei den Diskussionen in Shanghai noch erfahren werden und welche Ansätze, sowohl für China als auch für Deutschland diskutiert werden. In Kürze gibt es dazu hier im Blog einen Bericht.

Nachhaltige Landwirtschaft in Anlong und Linshi in Sichuan

Im Vorfeld der Tagung in Shanghai bekamen wir am 1. September von Vertreterinnen und Vertretern der Forschungsgesellschaft für Städtische Flüsse Chengdu (CURA) zwei von ihnen betreute Projekte zur nachhaltigen ländlichen Entwicklung in der Region um Chengdu erläutert. In den beiden Dörfern Anlong und Linshi haben einige Gemüsebäuerinnen und -bauern mit der Beratung und Betreuung von CURA gemeinschaftliche Projekte zur nachhaltigen Entwicklung Ihrer Betriebe initiiert. Die Anbauweise entspricht weitgehend den Prinzipien eines ökologischen Landbaus. Aus allen organischen Resten der Betriebe und Haushalte wird in Kleinanlagen Biogas und Dünger hergestellt. Das Wasser wird in mehrstufigen pflanzlichen Kleinkläranlagen soweit gereinigt, dass es zur Bewässerung wieder genutzt werden kann. Die trockenen Abfälle werden weitestgehend getrennt. Die Vermarktung der hochwertigen Produkte ist nicht einfach und wird noch optimiert.

Eine Voraussetzung dieser Projekte ist das antike Bewässerungssystem in Dujiangyan, das nicht nur seit 2000 ein UNESCO-Weltkulturerbe, sondern auch seit langem eine touristische Attraktion ist. Ein sich selbstregulierendes System lenkt seit über 2000 Jahren einen Teil des Wassers des Minjang, einem Zufluss des Yangtze, in ein Verteilsystem, mit dem etwa 300 Quadratkilometer Land im Chengdu Delta bewässert werden. Die Bewässerungsmöglichkeiten bilden die Grundlage für den intensiven Gemüse- und Reisanbau.

Günter Dehoust ist Experte für nachhaltige Stoffströme und Kreislaufwirtschaft und arbeitet im Bereich Ressourcen & Mobilität am Standort Berlin.

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