Double counting in international emissions trading (dt/engl)

Lambert Schneider, Quelle: Öko-Institut 2019, CC BY-SA 2.0

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At the next climate conference in Chile in December 2019, one issue will be particularly contentious: the rules for international trade in emission reductions. A central question will be whether and how “double counting” – two countries using the same emission reduction to achieve their climate targets – can be prevented. Lambert Schneider, Research Coordinator for International Climate Policy at Oeko-Institut, has summarised the international discussion on double counting with nine other authors in the Science journal.

Emissions trading provides countries or private sector entities flexibility to reduce greenhouse gases where it is cheapest. The resulting cost savings can help countries to adopt more ambitious climate targets. If the rules for international emissions trading are not appropriately designed, however, this can lead to more greenhouse gas emissions and higher costs.

A significant risk is double counting of emission reductions. Some countries, such as Brazil, are proposing rules that would allow them to sell emission reductions to other countries and at the same time use them to achieve their own targets. “Such a system would undermine the environmental impact of the Paris Agreement: on paper, countries would achieve their targets, but more greenhouse gases would end up in the atmosphere,” says Lambert Schneider. “As scientists from five continents, we have joined forces to inform the wider public about the importance of adopting robust rules for international emissions trading at the next climate conference.”

Double counting of emission reductions could arise not only between countries, but also with international aviation. Under the International Civil Aviation Organization, airlines are obliged to offset the increase in their CO2 emissions from 2021 onwards by purchasing emission reduction credits from climate protection projects. However, such projects also reduce the emissions that countries report under the Paris Agreement to achieve their emissions targets. This means that both the host countries of the climate protection projects and the airlines would count the same reductions to achieve their targets. Some countries, most vocally Saudi Arabia, oppose rules that would prevent such double counting.

In principle, the solution is simple: as with money transfers between bank accounts, both sides must deduct or add the same amount, except that in emissions trading the relevant currency is greenhouse gas emissions. The seller country has to add sold emission reductions to its emissions; the buyers can deduct the purchased emission reductions from their emissions. This ensures that the reductions can only be used by the buyer, but no longer by the seller, to achieve climate targets.

In practice, an agreement is difficult not only politically but also technically. Under the Paris Agreement, it is up to the countries to decide what kind of climate target they pledge. This has led to very diverse climate targets. Some countries have greenhouse gas targets; others have targets for the expansion of renewable energy or for afforestation. Some only have targets for specific sectors, greenhouse gases or years. And some targets are simply unclear. This makes it more difficult to robustly account for the international transfer of emission reductions.

“To ensure environmental integrity in international emissions trading, the same international rules should apply to all transactions so as to avoid double counting in all instances,” says Lambert Schneider. “Moreover, countries participating in international emissions trading should, over time, adopt emissions targets that include all sectors and gases and apply to continuous multi-year periods rather than to individual years only”.

Read the full article “Double counting and the Paris Agreement rulebook” in the Science journal.

Read another summary „Double counting of emissions cuts may undermine Paris climate deal“.

Lambert Schneider is research coordinator for international climate policy at Oeko-Institut. He participates in international climate negotiations and researches on international climate policy, with a focus on international carbon markets.

 

Deutsche Version

Doppelzählungen im internationalen Emissionshandel

Auf der nächsten Klimakonferenz im Dezember 2019 in Chile wird ein Thema besonders kontrovers diskutiert werden: die Regeln für den internationalen Handel mit Emissionsminderungen. Eine zentrale Frage wird dabei sein, ob und wie eine „Doppelzählung“ verhindert werden kann – das heißt, dass sich zwei Länder die gleiche Emissionsminderung auf ihr Klimaziel anrechnen. Dr. Lambert Schneider, Forschungskoordinator für internationale Klimapolitik am Öko-Institut, hat die internationale Diskussion rund um Doppelzählungen mit neun weiteren Autoren in der Fachzeitschrift „Science“ zusammengefasst.

Der Emissionshandel ermöglicht es Ländern oder Unternehmen, Treibhausgase dort zu reduzieren, wo dies am kostengünstigsten ist. Die damit verbundene Kostenersparnis kann Ländern dabei helfen, sich ambitioniertere Klimaziele zu setzen. Wenn die Regeln für den internationalen Emissionshandel jedoch nicht wasserdicht ausgestaltet werden, kann dies zu mehr Treibhausgasemissionen und höheren Kosten führen.

Ein erhebliches Risiko ist die Doppelzählung von Emissionsminderungen. Einige Länder, wie Brasilien, schlagen Regeln vor, die es ihnen ermöglichen würden, Emissionsminderungen an andere Länder zu verkaufen und diese gleichzeitig selbst zur Erreichung ihrer Ziele zu nutzen. „Ein solches System würde die Umweltwirkung des Pariser Übereinkommens untergraben. Auf dem Papier würden Länder ihre Ziele erreichen, aber in der Atmosphäre würden mehr Treibhausgase ankommen“, sagt Lambert Schneider. „Wir haben uns als Wissenschaftler aus fünf Kontinenten zusammengeschlossen, um einer breiteren Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wie wichtig die Verabschiedung von robusten Regeln für den internationalen Emissionshandel auf der nächsten Klimakonferenz ist“.

Eine Doppelzählung von Emissionsminderungen könnte nicht nur zwischen Ländern passieren, sondern auch im internationalen Flugverkehr. Ab 2021 müssen Fluggesellschaften unter der Internationalen Zivilluftfahrorganisation den Anstieg ihrer CO2-Emissionen durch den Aufkauf von Emissionsminderungen aus Klimaschutzprojekten ausgleichen. Solche Klimaschutzprojekte mindern allerdings auch die Emissionen, die Länder zur Erreichung ihrer Ziele unter dem Pariser Übereinkommen berichten. Somit könnten sich sowohl die Gastländer der Klimaschutzprojekte als auch die Fluggesellschaften die gleiche Minderung anrechnen. Einige Länder, vor allem Saudi-Arabien, lehnen aber Regeln ab, die eine solche Doppelzählung verhindern würden.

Dabei ist die Lösung im Prinzip einfach: Wie beim Geldtransfer zwischen Bankkonten müssen beide Seiten den gleichen Betrag abziehen oder hinzurechnen, nur dass beim Emissionshandel die Währung Treibhausgasemissionen heißt. Das Verkäuferland muss verkaufte Emissionsminderungen auf seine Emissionen aufschlagen, der Käufer kann sich die erworbenen Emissionsminderungen von seinen Emissionen abziehen. Dies gewährleistet, dass die Minderungen nur vom Käufer, aber nicht mehr vom Verkäufer zur Erreichung der Klimaziele genutzt werden können.

In der Praxis ist eine Einigung nicht nur politisch, sondern auch technisch schwierig. Unter dem Pariser Übereinkommen können die Länder selbst entscheiden, welche Art von Klimaziel sie sich setzen. Dies hat zu sehr unterschiedlichen Klimazielen geführt. Manche Länder haben Treibhausgasziele, andere nur Ziele für den Ausbau von erneuerbaren Energien oder die Aufforstung von Wäldern. Einige haben nur Ziele für bestimmte Sektoren, Treibhausgase oder Jahre. Und manche Ziele sind schlichtweg unklar. Dies erschwert eine saubere Bilanzierung von Verkäufen und Käufen von Emissionsminderungen.

„Um die Umweltintegrität des internationalen Handels mit Emissionsminderungen zu gewährleisten, sollten die gleichen internationalen Regeln für alle Transaktionen gelten, so dass eine Doppelzählung in allen Fällen vermieden wird“, resümiert Lambert Schneider. „Außerdem sollten Länder, die sich am internationalen Emissionshandel beteiligen, ihre Ziele in Zukunft so definieren, dass sie alle Sektoren und Treibhausgase einschließen und für kontinuierliche Perioden statt nur für einzelne Jahre gelten.“

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag „Double counting and the Paris Agreement rulebook“ in der Fachzeitschrift Science.

Dr. Lambert Schneider ist Forschungskoordinator für internationale Klimapolitik am Öko-Institut. Er nimmt regelmäßig an den UN-Klimaverhandlungen teil und forscht zur internationalen Klimapolitik, insbesondere zum Handel mit Emissionsminderungen.

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