„Elektromobilität ist der richtige Weg“

Lukas Minnich

Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen hat Lukas Minnich im „Faktencheck Elektromobilität“ die häufigsten Fragen rund um die Elektromobilität zusammengestellt und beantwortet. Im Kurzinterview mit Blogredakteurin Alexa Hännicke erzählt er davon.

Warum wurde es für Euch notwendig, den Faktencheck Elektromobilität zu erstellen?

Meldungen wie „Öko-Lüge Elektroauto“ waren in den letzten Monaten in vielen Medien sehr präsent. Da wurde der Eindruck erweckt, das Elektroauto hätte wegen der zusätzlichen CO2-Emissionen bei der Herstellung eine negative Klimabilanz gegenüber einem Diesel oder Benziner. Das kann man klar als falsch bezeichnen, auch wenn es gewisse Spannen in den Zahlen gibt und sicherlich noch vieles verbessert werden muss. Auch hinsichtlich der verwendeten Rohstoffe für den elektrischen Antrieb gibt es regelmäßig „Horrormeldungen“. Da wird ebenfalls wenig ausgewogen argumentiert. Man muss hier auch immer den Vergleich zur heutigen Situation ziehen: Wir verbrennen jeden Tag auf ineffiziente Weise unvorstellbare Mengen des wertvollen und oft unter kritischen Bedingungen gewonnenen Rohstoffs Erdöl. Mit unserem Faktencheck tragen wir dazu bei, die Debatten zu versachlichen und geben auch Handlungsempfehlungen für eine sinnvolle Weiterentwicklung des Gesamtsystems Elektromobilität. Auch wenn die Veränderung des Antriebs ganz sicher nicht alle Umweltprobleme des Verkehrssektors löst: Elektromobilität ist der richtige Weg. Meiner Meinung nach ist es diese zentrale Aussage, die wir den Leserinnen und Lesern des Faktenchecks Elektromobilität mitgeben wollen. Übrigens auch den Internationalen. Deswegen gibt es den Faktencheck jetzt auch auf Englisch.

Überlagert wird die Diskussion um die Elektromobilität durch die Diesel-Affäre und die Luftschadstoffbelastung in den Städten. Jüngst hat Hamburg als erste deutsche Großstadt Fahrverbote für Diesel-Pkw und -Lkw auf bestimmten innerstädtischen Straßen verhängt. Elektroautos stehen dabei gar nicht so sehr im Fokus, oder?

Die  Elektrofahrzeuge sind nicht nur positiv fürs Klima, sondern können besonders auch zu einer Verbesserung der Luftqualität führen. Es ist aber verständlich, dass die Kommunen auch zu restriktiveren Maßnahmen greifen, denn für sie steht juristisch viel auf dem Spiel. Und sie betrachten richtigerweise auch die anderen negativen Wirkungen des motorisierten Verkehrs wie Staus, Unfälle, Flächenverbrauch und Lärm. Deshalb wollen sie nicht nur konventionelle durch alternativ angetriebene Autos ersetzen, sondern den Pkw- und Lkw-Verkehr insgesamt reduzieren – durch mehr ÖPNV, bessere Bedingungen für Rad- und Fußverkehr und innovative Mobilitätslösungen im Personen- und Wirtschaftsverkehr.

Was wünschst Du Dir von wem als konkreten nächsten Schritt?

Viele Akteure auf der lokalen Ebene – kommunale Politik und Verwaltung, Privatpersonen, aber auch UnternehmerInnen – unterstützen die Verkehrswende und damit auch die Umstellung auf Elektromobilität. Oft scheitern sie aber an übergeordneten Rahmenbedingungen:

  • Kommunen möchten E‑Autos durch Einfahrverbote für Verbrennerfahrzeuge mit besonders hohen Emissionen fördern – müssten dazu aber in die Lage versetzt werden, blaue Plaketten einzuführen oder eine Citymaut zu erheben.
  • Privatpersonen möchten sich ein E‑Auto anschaffen, die Hersteller können aber nicht in ausreichendem Umfang Fahrzeuge liefern.
  • UnternehmerInnen möchten ihre MitarbeiterInnen dazu bewegen, ihren Dienstwagen durch eine emissionsfreie Alternative zu ersetzen, scheitern aber daran, bei den hier bisher üblichen großen Dieselfahrzeugen die durch die Autohersteller angebotenen Preise und die steuerlichen Vorteile im Vergleich unschlagbar sind.

Die Verkehrswende kann nicht gelingen, wenn nicht auch Privilegien des motorisierten Individualverkehrs abgebaut werden – letztendlich werden alle davon profitieren. Auch wenn die Bundesebene an Fahrzeuganschaffung, Ladeinfrastrukturaufbau und Forschung finanziell fördert und auch die Autoindustrie den Wandel eingeleitet hat – vor allem auf diesen Ebenen braucht es aus meiner Sicht mehr Mut.

Lukas Minnich ist Wissenschaftler im Bereich „Ressourcen & Mobilität“ am Standort Darmstadt und arbeitet zu Themen wie Elektromobilität, ÖPNV, gewerblicher Mobilität, kommunalen Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr sowie Schadstoffregulierung.

Weitere Informationen

„Faktencheck Elektromobilität“ –  das umfangreiche FAQ des Öko-Instituts

„Electromobility-Fact Check“: Frequently asked questions 

Zur englischen Übersetzung des Interviews

Lukas Minnich ist Gastredner auf dem Kongress Elektromobilität am 29.08.2018 in Kassel. Titel seines Vortrags: „Einige Mythen zur Elektromobilität“. Er ist zudem Hauptautor der zu diesem Anlass von der HA Hessen Agentur veröffentlichten Broschüre „Fragen zur Elektromobilität“.

 

Kommentare
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