Flächensparendes Wohnen in der Praxis #klimafreundlichWohnen3

Flächensparendes Wohnen kann einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Energieverbrauch und zum Erreichen der Klimaziele leisten. „Allmende“ baut als Projekt des Mietshäuser Syndikats in der Gemeinde Gundelfingen ein selbstorganisiertes und unverkäufliches Wohnprojekt auf, das auf effiziente Wohnraumnutzung setzt. Im Interview stellt Jennyfer Wolf die Konzepte für flächensparendes Wohnen vor.

Was habt ihr vor in Bezug auf Wohnflächen?

Die Wohnflächen oder wie viel jede Person, die in Allmende einmal wohnen wird verbraucht, war von Anfang an ein ganz zentraler Aspekt unseres Konzepts. Wir werden mehr als die Hälfte sozial geförderte Wohnungen bauen. Das sind also Wohnungen, die Menschen mit eher kleinem Einkommen zur Verfügung stehen. Für diese Wohnungen ist die maximale Größe bezogen auf die Anzahl an Personen vom Gesetzgeber vorgegeben. Es ist uns wichtig, dass die frei finanzierten Wohnungen nicht größer sind als die geförderten Wohnungen. Denn das würde bedeuten, dass das Einkommen die Wohnungsgröße mitbestimmt und zu einem sozialen Ungleichgewicht führen.

Zusätzlich werden wir viele verschiedene Gemeinschaftsflächen haben, die viele Bedarfe des täglichen Lebens abdecken sollen und viel Raum für Begegnung und Austausch schaffen. In unserer Vision dient die individuelle Wohnfläche als Rückzugsraum für die Einzelperson, das Paar oder die Familie während das gemeinschaftliche Leben in den gemeinsam genutzten Bereichen stattfindet.

Vergrößern diese Gemeinschaftsflächen dann nicht wieder den individuellen Flächenverbrauch?

Nein. Es ist für uns sehr wichtig, dass unsere Gemeinschaftsflächen nicht zu einem größeren Flächenverbrauch führen. Jede Wohnung entspricht von der Größe dem Sozialwohnungsstandard und gibt von dieser Größe noch mal knapp 20 Prozent der Wohnfläche in die Gemeinschaftsräume ab – liegt damit also 20 Prozent unter dem Sozialwohnungsstandard.

Wie sieht das konkret aus? Wie viel Quadratmeter habt ihr zur Verfügung?

Konkret bedeutet das zum Beispiel etwa 50 Quadratmeter für eine Zweipersonenwohnung und etwa 90 Quadratmeter für eine fünfköpfige Familie. Wenn man allerdings die geteilten Flächen mitrechnet, vergrößert sich die nutzbare Fläche auf fast 500 Quadratmetern – also deutlich mehr als in einem klassischen Einfamilienhaus. Trotzdem liegen wir beim Flächenverbrauch bei unter 30 Quadratmeter pro Person. Im Vergleich dazu liegt die durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche in Deutschland bei knapp 50 Quadratmetern.

Was für Gemeinschaftsräume sind geplant?

Wir planen zum Beispiel einen großen Gemeinschaftsraum mit Küche, einen ruhigen Gemeinschaftsraum, ein Esszimmer, einen Bewegungsraum, gemeinschaftlich genutzte Gäste- und Arbeitszimmer und sogar Badewannenzimmer. Ja, wir planen für jedes Stockwerk ein Badewannenzimmer, so dass die Wohnungen nur mit Dusche gebaut werden. Eins davon wird ein gemeinschaftlich genutztes Pflegebad. Viele Dinge braucht man ja nicht täglich und kann sie deshalb super teilen, dazu gehört zum Beispiel das große Wohnzimmer, wenn mal die Großfamilie zu Besuch ist, Gästezimmer oder eben die Badewanne.

Wie sieht das aus, wenn Wohnverhältnisse sich ändern oder wenn jemand auszieht?

Wir planen einen Wohnungstausch bei geändertem Bedarf, also wenn die Kinder ausziehen. So erhalten wir gleichzeitig den Mehrgenerationen-Charakter des Projekts. Denn wenn die Kinder einer Familie ausziehen und das Paar dann in eine Zwei-Personenwohnung zieht, wird wieder Platz geschaffen für eine neue Familie.

Wenn wir das mit dem Wohnungstausch nicht machen würden, würden in Allmende nach etwa 20 Jahren viel weniger und durchschnittlich wohl ältere Menschen wohnen. Durch das Wohnungstauschkonzept können wir erreichen, dass Allmende immer Wohnraum für rund 70 Personen bietet und ein Mehrgenerationen Wohnprojekt bleibt.

Wie stellt ihr denn sicher, dass dieser Wohnungstausch funktioniert?

Rechtlich gesehen können wir natürlich niemanden zwingen in eine kleinere Wohnung zu ziehen, nachdem sich die Personenanzahl geändert hat. Allerdings erarbeiten wir gerade einen sogenannten „Binnenvertrag“, den alle Personen, die in der Allmende wohnen werden, unterzeichnen. Damit versichern alle schriftlich, dass sie beim Wohnungstausch mitmachen, aber auch bei unserem Mobilitätskonzept und dass sie sich an den Arbeiten beteiligen, die so eine selbst verwaltete Hausgemeinschaft erfordern.

Wir haben schon jetzt einen recht langen, mehrstufigen Auswahlprozess für neue Mitglieder. Menschen, für die unser Konzept nicht richtig passt, verabschieden sich meist recht schnell wieder. Das bringt schon allein unser derzeit sehr hohes Arbeitspensum mit sich.

Wo steht ihr denn gerade konkret in der Planung?

Wir haben Ende 2020 den notariellen Optionsvertrag für das Grundstück in Gundelfingen unterzeichnet. Ende dieses Jahres werden wir das Grundstück kaufen und sammeln dafür gerade die notwendigen Direktkredite. 2022 soll dann der Bau starten und spätestens in drei Jahren möchten wir einziehen.

Was motiviert euch in Bezug auf Wohnflächen?

Die Größe der genutzten Wohnflächen korreliert ja eindeutig und bedeutsam mit der individuellen Klimabilanz – je kleiner desto besser. In Deutschland vergrößert sich der Flächenbedarf pro Kopf immer mehr und die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf ist im internationalen Vergleich recht hoch. Gut geplante und ansprechende gemeinsam genutzte Wohnflächen sind essentiell für eine Gemeinschaft. Hier gibt es für uns viele Synergien zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und Gemeinschaft. Durch die gemeinschaftlich genutzten Flächen können wir sehr kleine Privatwohnungen bauen und haben trotzdem oder gerade deshalb viel Platz für Austausch und Begegnung. Wir möchten mit der Allmende gerne zeigen, dass das funktioniert und vielleicht auch ein Beispiel für zukünftige Projekte werden.

Als Projekt des Mietshäuser Syndikats will die Allmende in Gundelfingen selbstverwalteten und bezahlbaren Miet-Wohnraum für rund 70 Menschen unterschiedlichen Alters schaffen. Das Projekt finanziert sich unter anderem über eine solidarische Finanzierung in Form von Direktkrediten, beispielsweise von Privatpersonen. Alle Beiträge der Blog-Rubrik #Wohnen.

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Kommentare
  1. J.-Albert Braun

    J.-Albert Braun (Kommentar zu Ihrem Beitrag: *Klimafreundlich Wohnen* – Lörrach-Hauingen den 01.Juli 2021

    Ich grüße Sie. Ihr Beitrag zu dem *Allmende-Mehrgenerationenen-Wohnprojekt-Gundelfingen* zeigt in brillianter Weise:

    Welch Potential – in sozial-, ökologisch- & ökonomisch gut durchdachten *alternativen generationenübergrnden Wohnprojekten* liegt –
    um *Individualität & Gemeinschaft* sowie *materielle Lebensqualität & ökologische Nachhaltigkeit mit sozialer Gerechtigkeit für die zukünftigen Generationen* in Einklang zu bringen;
    Mit an einem Gewinn an Lebensfreude- & Erfüllung , kreativ-produktiver Entfaltung & ethischer Sinnhaftigkeit.

    Ich zitiere hier wenig kurze Interview-Auszüge um dies zu Verdeutlichen:

    a)“Es ist uns wichtig, dass die frei finanzierten Wohnungen nicht größer sind als die geförderten Wohnungen. Denn das würde bedeuten, dass das Einkommen die Wohnungsgröße mitbestimmt und zu einem sozialen Ungleichgewicht führen.“

    b)“Wir planen einen Wohnungstausch bei geändertem Bedarf, also wenn die Kinder ausziehen. So erhalten wir gleichzeitig den Mehrgenerationen-Charakter des Projekts. “

    „Wenn wir das mit dem Wohnungstausch nicht machen würden, würden in Allmende nach etwa 20Jahren viel weniger und durchschnittlich wohl ältere Menschen wohnen. Durch das Wohnungstauschkonzept können wir erreichen, dass Allmende immer Wohnraum für rund 70 Personen bietet und ein Mehrgenerationen Wohnprojekt bleibt.“

    c)Wie stellt ihr denn sicher, dass dieser Wohnungstausch funktioniert?

    „…….Allerdings erarbeiten wir gerade einen sogenannten „Binnenvertrag“, den alle Personen, die in der Allmende wohnen werden, unterzeichnen. Damit versichern alle schriftlich, dass sie beim Wohnungstausch mitmachen, aber auch bei unserem Mobilitätskonzept und dass sie sich an den Arbeiten beteiligen, die so eine selbst verwaltete Hausgemeinschaft erfordern.“

    Wir haben schon jetzt einen recht langen, mehrstufigen Auswahlprozess für neue Mitglieder. Menschen, für die unser Konzept nicht richtig passt, verabschieden sich meist recht schnell wieder. Das bringt schon allein unser derzeit sehr hohes Arbeitspensum mit sich.

    „Gut geplante und ansprechende gemeinsam genutzte Wohnflächen sind essentiell für eine Gemeinschaft. Hier gibt es für uns viele Synergien zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und Gemeinschaft. Durch die gemeinschaftlich genutzten Flächen können wir sehr kleine Privatwohnungen bauen und haben trotzdem oder gerade deshalb viel Platz für Austausch und Begegnung. Wir möchten mit der Allmende gerne zeigen, dass das funktioniert und vielleicht auch ein Beispiel für zukünftige Projekte werden.“

    Vielen Dank für diesen informativ sehr wertvollen Beitrag. – herzlichst – J.-Albert Braun

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