FÖJ goes UN

Ich bei der UN? – unmöglich!

Wow dachte ich damals, als Anke Herold zu mir kam und meinte, ich könne in der deutschen Delegation mit zu den UN Klimaverhandlungen fahren. Ich – eine FÖJlerin – darf mit zu einer Klimaverhandlung! Es war meine erste Konferenz – und dann auch noch eine der UN – und ich hatte absolut keinen Plan, was mich genau erwarten wird. Im Vorhinein habe ich ein kurzes Briefing bekommen, doch trotzdem fragte ich mich, wie alles ablaufen wird. Wie findet man sich zurecht? Wo ist was? Was genau werden meine Aufgaben sein? Wird mein Englisch ausreichend sein? Kann ich mich ohne Probleme überall mit hineinsetzen? Fragen über Fragen…

Der frühe Vogel rettet das Klima

Es ging für uns – meine Institutskolleg*innen und mich – immer morgens als erstes zur Delegationsbesprechung (um 07:45!) und das, obwohl die Verhandlungen erst um 10 Uhr begannen. Für die Anderen ging es nach der Besprechung auch weiter zur EU Koordinierung und damit trennten sich auch schon unsere Wege. Jede*r ging mit den Delegations- und EU-Kolleg*innen zu den entsprechenden Verhandlungen und ich konnte machen, was ich wollte. Also habe ich mich zu verschiedenen Themen gesetzt.

Wer darf wo rein?

Bevor es Montag aber richtig losgehen konnte, hieß es für mich: anstellen und Badge abholen. Da ich die Möglichkeit hatte, als Teil der deutschen Delegation teilzunehmen, erhielt ich ein pinkes „Party“-Badge. Dieses hat mir alle Türen zu allen Veranstaltungen geöffnet. Die gelben „Observer“-Badges hingegen kennzeichnen Personen aus NGOs und diese dürfen daher nicht mit zu allen Verhandlungen gehen. Die blauen Badges sind für Mitarbeitende der UN.

Es geht ans Eingemachte

Schon bei dem ersten Treffen merkte ich, wie detailliert die Verhandlungen sind. Zwar ging es erst einmal nur um die Einigung auf eine Arbeitsweise, doch wenn es hier schon Probleme gibt und man zwei Stunden länger braucht als vereinbart, na dann „Halleluja“! Und da fragt man sich als Außenstehende*r, warum in der Klimapolitik so wenig passiert…

Für Personen, die nicht im Thema stecken, sind die Verhandlungen kaum verständlich. Oft ist von Paragraphen und anderen Papieren die Rede und es wird über einzelne Formulierungen diskutiert. Das Ganze dann in formalem Englisch und mit vorgefertigten Statements – also vollkommen ohne Dynamik. Mein Kollege erzählte mir, dass viele der Verhandler*innen auf ihren jeweiligen Gebieten zwar super sind, aber bei anderen Themen auch nicht immer alles verstehen würden.

Spannend war es trotzdem. Nicht nur diese unbeschreibliche Internationalität (auf einmal sitzt man zwischen Tuvalu und Canada) hat die SB (Subsidiary bodies)-Sitzung für mich zu etwas Besonderem gemacht, sondern auch das ganze Drumherum. Zu sehen, wie es hinter den Kulissen abläuft und ein Teil davon zu sein. In jeder Ecke Menschen am Laptop oder in Gesprächen. Die morgendliche Schlange bei der Sicherheitskontrolle, das ständige „Thank you Mister/Madam co-facilitator and I am sorry to take the floor again, but…“ und mein abendlicher Spaziergang zurück zum Hotel, um wenigstens etwas Bewegung zu bekommen. Die ganzen Verhandler*innen taten mir leid, die wirklich zwei Wochen nur am Sitzen und Zuhören waren.

Zudem habe ich viele verschiedene side events besucht. Das sind Veranstaltungen außerhalb der Verhandlungen wie etwa Vorträge oder Diskussionen. Ich war bei verschiedenen Events zu Themen wie Landwirtschaft, Klimagerechtigkeit, Nationally Determined Contributions (NDCs) und Ernährung. Die wohl beste Veranstaltung für „Anfänger*innen“ ist der Climate Classroom, bei dem komplexe Themen von Grund auf erklärt werden. Wirklich sehr cool und hilfreich. 🙂

Alles in allem war die Konferenz für mich sehr spannend und ich hätte sie auf gar keinen Fall verpassen wollen. Es hat mir interessante Einblicke in verschiedene Themen, Abläufe und alles Drumherum gegeben.

Ein Dank ist angebracht

Deshalb an dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an alle, die mir diese Reise ermöglicht haben. Allen voran Anke, Martin, Lorenz und Lambert.

Zur Autorin:

Ann-Christin Baier absolviert ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Bereich Energie & Klimaschutz am Standort Berlin. 

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