Vegane-Weihnachten Quelle: ©plainpicture/HalfPoint

Gesunde, umwelt- und klimafreundliche Ernährung: Vorweihnachtliche Gedanken aus der Arbeit an einem Forschungsbericht

Gesund, klima- und umweltfreundlich, tierfreundlich sowie erschwinglich – geht das? Drei Forscherinnen des Öko-Instituts untersuchen gerade, welche Lenkungs- und Lastenverteilungswirkungen Maßnahmen haben können, die darauf hinwirken, dass der Konsum pflanzlicher Nahrungsmittel steigt – und der tierischer sinkt. Sie werfen einen persönlichen Blick auf die Fakten und Erkenntnisse, die sie bei ihrer Arbeit bewegen.

Hannah: Katja, sag mal, Weihnachten steht vor der Tür und so langsam machen sich viele Gedanken, was denn an Weihnachten Leckeres auf den Tisch kommen soll. Der Klassiker: Gänsebraten mit Rotkraut und Klößen. Für mich wäre das nichts, für Personen, die Fleisch mögen bestimmt lecker – aber wie ist das eigentlich aktuell mit dem Fleischverzehr in Deutschland? Ist das im Schnitt wirklich so viel mehr als aus gesundheitlicher Perspektive empfohlen wird?

Katja: Ja, das ist tatsächlich laut Statistik so: Aktuell isst eine Person in Deutschland im Schnitt etwa 57 Kilogramm Fleisch und Wurstwaren pro Jahr – veranschaulicht sind das etwa fünf Steaks à 200 Gramm pro Woche. Natürlich ist die tatsächliche Zusammensetzung des Fleisch- und Wurstkonsums ganz individuell. Diese Veranschaulichung dient nur dazu, dass wir uns die Größenordnung vorstellen können.

Hannah: Und welche Menge wird empfohlen?

Katja: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sagt zum Beispiel, dass Fleisch und Wurst Teil einer vollwertigen und gesunden Ernährung sein können, also nicht müssen. In Zahlen: 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche und Person reichen.

Aus gesundheitlicher Perspektive essen die Deutschen im Schnitt also zu viel Fleisch und Wurst. Um bei dem Bild von oben zu bleiben: Eineinhalb bis drei der oben genannten Steaks pro Woche wären mit der Gesundheit noch zu vereinbaren.

Auch die wissenschaftliche EAT Lancet Kommission beschäftigt sich mit einer gesunden Ernährung, und zwar im globalen Kontext von Bevölkerungswachstum und Klimawandel. Sie empfiehlt auch weniger Fleisch und Wurstkonsum als aktuell in Deutschland im Schnitt pro Person verzehrt wird. Hier veranschaulicht ihre gemeinnützige Stiftung, wie eine gute Zusammensetzung der Ernährung, aussehen kann. Fleisch und tierische Produkte machen dabei nur einen kleinen Teil der Ernährung aus.

Katja: Was mich umtreibt sind auch die Klimawirkungen und wie ich persönlich einen Beitrag leisten kann diese zu verringern. Welche Auswirkungen haben denn der Anbau und die Produktion von Nahrungsmitteln auf das Klima?

Hannah: Die Nahrungsmittelproduktion hat Auswirkungen auf das Klima, beispielsweise weil Düngemittel eingesetzt werden oder Gülle auf die Felder ausgebracht wird. Aber auch die Emissionen der Nutztiere wirken aufs Klima. Sie geben beispielsweise Methan ab. Ein Methanmolekül ist etwa 28-Mal klimaschädlicher als ein Kohlenstoffdioxidmolekül.

Fleisch punktet gegenüber Obst und Gemüse also generell nicht fürs Klima. Ich habe eine Grafik erstellt, die das Verhältnis exemplarisch veranschaulicht. Sie beinhaltet die durchschnittlichen CO2-Fußabdrücke von Nahrungsmitteln an der Supermarktkasse in Deutschland. Alle relevanten Treibhausgase – auch Methan – sind dabei in der Zahl berücksichtigt und wurden in CO2-Emissionen umgerechnet, daher heißt die Maßeinheit „Kohlenstoffdioxidäquivalent“.  

Quelle: Eigene Darstellung nach ifeu (2020)

Quelle: Eigene Darstellung Öko-Institut nach ifeu (2020)

Nicht eingezeichnet habe ich weit gereistes Obst. Das kann klimawirksamer sein als Fleisch, allerdings kommt es dabei auf das genutzte Transportmittel an. Im Durchschnitt betrachtet, liegt eine Ananas an der Supermarktkasse gemäß der oben genannten Quelle bei 0,9 Kilogramm Kohlenstoffdioxidäquivalent, kämen sie nur per Flugzeug bei 15,1 Kilogramm, nur per Schiff bei etwa 0,6 Kilogramm.

Und nicht zu vergessen ist auch: für die Herstellung von Fleisch und tierischen Produkten werden für die Tiere Futtermittel angebaut. Einige der dafür genutzten Flächen könnten auch direkt für den Anbau von Obst und Gemüse für den menschlichen Verzehr genutzt werden. Sie müssten dann nicht den Umweg über einen Tiermagen nehmen.

Andere Flächen könnten vielleicht auch in ihrem ursprünglichen Zustand belassen werden, zum Beispiel als Wald, der einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Wenn für den Anbau von Futter, wie Soja, für die Fleischproduktion Flächen geschaffen werden müssen, und Wald dafür gerodet wird, bedeutet dies nicht nur einen Verlust der Bäume als Kohlenstoffspeicher, sondern kann auch regionale und globale Niederschlagsmuster beeinflussen. Das bekannteste Beispiel ist wohl der Amazonas Regenwald in Brasilien, der zunehmend für den Anbau von Soja gerodet wird, das als Futter für die Tierhaltung genutzt wird. Der Rückgang des Amazonas als wichtiges Element im Wasserkreislauf wirkt sich auf die Verteilung und Stärke von Niederschlägen aus: sie werden stärker. Dem Klima täte es also insgesamt gut, wenn weniger Fleisch und tierische Produkte erzeugt und damit auch verzehrt würden.

Hannah: Neben dem Klima gibt es ja noch andere Aspekte. Nora, was macht eigentlich die Tierhaltung mit der Umwelt?

Nora: Die bereits von dir erwähnte Ausbringung von Dünger und Gülle für den Anbau von Futter belastet unser Grundwasser mit immer mehr Nitrat. Der zusätzliche Aufwand, um Trinkwasser aufzubereiten, kann Trinkwasser verteuern. Zudem: Je mehr Stickstoff in Gewässern landet, desto eher sind sie übermäßig mit Nährstoffen angereichert, die zu Algenblüten in Seen, Flüssen oder küstennahen Gewässern führen können (Eutrophierung). Dabei gelangen durch die Tierhaltung Spurenstoffe aus Pestiziden, Antibiotika oder Hormone in das Grundwasser und Gewässer. Unsere Kläranlagen können diese nicht vollständig herausfiltern. Multiresistente Krankheitserreger können so über das Trink- und Grundwasser auch zu uns Menschen gelangen. Wird der Fleischkonsum reduziert und auf eine umweltfreundlichere Landwirtschaft umgestellt, wird der Druck auf unsere Gewässer weniger.

Die Auswirkungen auf die Umwelt hängen auch stark mit der Form der Tierhaltung zusammen. Wie kann man denn beim Fleischkonsum das Tierwohl besser fördern und berücksichtigen?

Katja: Es gibt derzeit einige interessante Ansätze wie Maßnahmen zur Tierwohlförderung eingeführt werden können. Wichtig dabei: Der Finanzierungsbedarf für den Umbau der Nutztierhaltung zu mehr Tierwohl kann an unterschiedlichen Stellen erhoben werden und wirkt daher unterschiedlich. Ein Beispiel: Eine Tierwohlabgabe, die beispielsweise als Verbrauchsteuer auf das tierische Produkt erhoben werden kann, wirkt direkt bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Denn so wird das tierische Produkt pro Mengeneinheit teurer. Jede und jeder unterstützt mit seiner Kaufentscheidung auch das Tierwohl. Personen, die keine tierischen Produkte verzehren, würden mit der Tierwohlabgabe nicht belastet. Die resultierenden Erlöse könnten neben Tierwohlmaßnahmen auch benutzt werden, um – sollte es den Bedarf geben –Bevölkerungsgruppen zu entlasten die möglicherweise zu stark von Preissteigerungen eingeschränkt werden. Ziel sollte aber immer bleiben, dass sich jede Person durchgehend eine gesunde und ausgewogene Ernährung leisten kann. Gezielte Informationskampagnen können zum Beispiel auch beim Umdenken von Gewohnheiten helfen.

Hannah: Nora und Katja: Wäre ein guter Vorsatz für Personen, die tierische Nahrungsmittel essen folgender?

„Ich versuche immer mehr pflanzliche Produkte in meinen Speiseplan zu integrieren. Ich esse keine oder nur wenige, dafür aber qualitativ hochwertige, tierische Produkte. Dann gehe ich weniger gesundheitliche Risiken ein und sende ein Signal, dass mir meine Gesundheit, der Klima- und Umweltschutz sowie das Wohl der Tiere wichtig sind.“

Katja: Ja, das wäre gut. Und dabei soll eine ausgewogene Ernährung natürlich auch für alle Personen erschwinglich sein und bleiben.

Hannah: Habt ihr gute Ideen, wie Weihnachten denn mal ganz ohne tierische Nahrungsmittel aussehen könnte?

Nora: Na klar, wir haben uns bei Kolleg*innen erkundigt, ob sie gute und vegane Weihnachtsrezepte kennen und wir haben folgende Rezepte erhalten. Diese sind erprobt und beliebt. 

Dr. Hannah Förster ist unter anderem Expertin für soziale Aspekte von Klimawandel und -schutz. Katja Hünecke ist Expertin für soziale Aspekte der Energiewende und arbeitet im Bereich Energie & Klimaschutz am Standort Darmstadt. Nora Wissner ist Expertin für Klimaschutz im Luft- und Seeverkehr. Sie arbeitet im Bereich Energie & Klimaschutz am Standort Berlin.

Informationen vom Öko-Institut

 Quellen und Hintergrundinformationen

Ecomail_Newsletter des Öko-Instituts: Hier abonnieren!

Möchten Sie diesen Beitrag kommentieren?

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.