glueckliche-schweine-tierwohlfeundliche-landwirtschaft-kritischer-agrarbericht-oeko-institut

Guten, umweltfreundlichen Appetit!/ Enjoy your meal – in an environmentally friendly way! [deu/eng]

Click for english version

Zur Grünen Woche in Berlin erscheint jedes Jahr der Kritische Agrarbericht. Dr. Dietlinde Quack vom Öko-Institut erläutert in ihrem Beitrag, was in Deutschland für eine umwelt- und tiergerechtere Ernährung getan werden kann.

Angesichts der zahlreichen Berichte, Erkenntnisse und Diskussionen zu den negativen Auswirkungen einer intensiven Nutztierhaltung und eines hohen Fleischkonsums auf Umwelt, Gesundheit und Tierwohl würde man eigentlich erwarten, dass eine fleischlastige Ernährung der Vergangenheit angehört. Doch der jährliche Fleischkonsum in Deutschland ist tatsächlich nicht, wie erhofft, zurück gegangen, sondern stagniert seit Jahren auf hohem Niveau.

Die notwendige Transformation, die neben einem niedrigeren Konsumlevel und einer nachhaltigeren Produkt(aus)wahl auch eine Änderung der Nutztierhaltung – auf insgesamt niedrigerem Produktionsniveau – umfasst, ist komplex. Sie umfasst viele Elemente und ist auf die Unterstützung von unterschiedlichen Akteuren angewiesen. Angefangen von den Verbraucherinnen und Verbrauchern, die bei diesem Thema eine große Verantwortung tragen: Sie sind mit ihrem Ernährungs- und Kaufverhalten zentrale Akteure der Ernährungsumstellung. Sie entscheiden täglich aufs Neue, wie sie sich ernähren und welche Produkte sie kaufen.

Weniger Fleisch reduziert die Umweltbelastungen des privaten Konsums

Die meisten essensbezogenen Entlastungen bringt es der Umwelt, wenn der Ernährungsstil geändert wird. Das hat eine Schweizer Studie gezeigt, deren Ergebnisse auch auf Deutschland übertragbar sind. Dabei spielt der Fleischkonsum eine wichtige Rolle: Isst man vegetarisch ohne Fleisch sinkt die Umweltbelastung bezogen auf den Konsum privater Haushalte insgesamt um zehn Prozent.

Doch es hängt nicht alles vom Fleischverzicht ab: Mit einer Ernährung,

  • die den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten, wie Milch oder Eier, reduziert
  • und zudem weniger Genussmittel, wie Alkohol, Kaffee und Schokolade enthält
  • und auf Gewächshausgemüse und Flugware verzichtet,

können die Umweltbelastungen sogar um 13 Prozent bezogen auf den Gesamtkonsum reduziert werden.

Auch bei der Fleischauswahl können Konsumentinnen und Konsumenten zum teureren Biofleisch greifen oder sich für ein billigeres Stück Fleisch aus konventioneller Intensivtierhaltung entscheiden. Kaufen sie ein komplettes Hähnchen oder (immer) nur die edlen Brustfilets? 

Zutat Sparsamkeit

Quer zu diesen beiden Handlungsmöglichkeiten liegt ein Einsparpotenzial von drei Prozent bezogen auf den Gesamtkonsum im Ansatz Sparsamkeit. Das heißt,

  • nicht mehr zu kaufen, als man braucht,
  • keine größeren Portionen zu planen als nötig,
  • Reste nicht wegwerfen sondern in den Speiseplan integrieren.

Je weniger verbraucht wird, desto weniger muss produziert werden.

Politik in der Verantwortung

Der regulative Rahmen, in dem die Verbraucherinnen und Verbraucher handeln, wird von der Politik gesetzt. Für die angestrebte Entwicklung muss er so beschaffen sein, dass alle relevanten Akteure entlang der Wertschöpfungskette im Sinne der gewünschten Transformation zum tierwohlgerechten und umweltfreundlichen Essen handeln können. Gesetze geben beispielsweise den Rahmen für Nutztierhaltung, Tiertransporte, Schlachtung vor, setzen aber auch die EU-Anforderungen bezüglich Nitrat um.

Die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sollten dabei auch das Instrument der öffentlichen Beschaffung aktiv für die Transformation nutzen: Mehr Bio in den Großküchen und attraktive, fleischärmere Gerichte in der Menügestaltung. Dieser Systemhebel wird oft unterschätzt. Denn er hat nicht nur die direkte Wirkung in den jeweiligen Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung, sondern erzeugt mit seiner Nachfrage auch eine Wirkung auf die Wertschöpfungskette. Bestimmte Angebote werden erst durch die Nachfrage ermöglicht und stehen dann auch anderen Akteuren zur Verfügung.

Politische Gestaltungsansätze am Beispiel Schwein

Im Projekt Trafo 3.0 haben Expertinnen und Experten des Öko-Instituts Gestaltungsansätze für eine Transformation im Bezug auf Schweinehaltung und Schweinefleisch ausgearbeitet:

  1. Gesellschaftliche Trends nutzen
    Relevante Trends für Fleischkonsum und Fleischproduktion sind derzeit beispielsweise die Bereitschaft, für Fleisch aus tierfreundlicher Haltung einen höheren Preis zu zahlen. Dazu kann die Politik die dafür erforderliche Transparenz herstellen, zum Beispiel durch die obligatorische Deklaration der Haltungsbedingungen auf den Produkten und ein strenges staatliches Tierwohllabel. Auch regionale Produkte freuen sich großer Beliebtheit. Hier könnte die Politik Anreize für die Reetablierung von regionalen Wertschöpfungsketten setzen.
  2. Innovationen fördern
    Die Digitalisierung wird bereits für innovative Wege der Direktvermarktung genutzt. Regionale Institutionen (z.B. Verbände, Kommunen) könnten digitale Plattformen ins Leben rufen, die auch kleine Unternehmen sichtbar machen. Es könnten außerdem langjährige Zuchtprogramme mit Zuchtzielen, wie Tiergesundheit, Robustheit, Mütterlichkeit etabliert werden, die nicht nur die Leistung im Fokus haben.
  3. Nichtnachhaltige Strukturen beenden
    Die Politik sollte klare Ausstiegsziele für nicht nachhaltige Haltungssysteme in der Nutztierhaltung festlegen und eine Umsetzungsstrategie entwickeln, die neben einem transparenten Zeitplan auch einen Finanzierungsplan für die betroffenen Betriebe und Regionen enthält.
  4. Zeitfenster nutzen
    Krisenhafte Situationen bieten oft die Chance für Änderungen. Ebenso können Hofübergaben und Nachfolgeregelungen zur Umstellung auf auf biologische Landwirtschaft genutzt werden. Die institutionelle Beratung für landwirtschaftliche Betriebe sollte dies aktiv nutzen.

Fazit: Es gibt bereits zahlreiche Ansätze, wie die angestrebte Transformation unterstützt werden kann. Dabei sind viele Akteure und Handlungsebenen gefragt. Verbraucherinnen und Verbraucher können ihren Teil dazu beitragen, indem sie weniger aber umwelt- und tiergerechtes Fleisch essen, zum Beispiel Bio, und durch sparsamen Verbrauch Abfälle vermeiden.  

Dr. Dietlinde Quack ist Expertin für Nachhaltigen Konsum und Produkte und arbeitet im Bereich „Produkte und Stoffströme“ am Standort Freiburg. Sie schreibt regelmäßig für den Kritischen Agrarbericht.

Beitrag „In Maßen, nicht in Massen!“ Im Kritischen Agrarbericht 2020

 

english version

Enjoy your meal – in an environmentally friendly way!

As in other years, the Critical Agricultural Report is published during Berlin’s so-called International Green Week. In accordance to this, Dr. Dietlinde Quack of the Oeko-Institut explains what can be done in Germany to ensure a more environmentally and animal-friendly diet.

In the wake of numerous reports, findings and discussions on the negative effects of intensive livestock farming and high meat consumption on the environment, health and animal welfare, one would expect that a meat-heavy diet would be a thing of the past. Numbers, however, do not reflect this expected trend; instead of Germany’s annual meat consumption declining as hoped, it has been stagnating at a high level for years.

The needed transformation which, aside from lower consumption levels and a more sustainable product-choice, also demands a change in livestock husbandry- to generally lower levels-, is complex. It comprises many elements and depends on the support of various actors. Consumers bear a great deal of responsibility in this area due to their eating and purchasing behaviour, making them key players in the transition to a new diet. Every day one decides anew what to eat and which products to buy.

Less meat consumption reduces environmental impacts of private consumption

Dietary changes can bring about the highest, food-related relief for the environment. This has been shown by a Swiss study, the results of which are also applicable to Germany. Meat consumption plays an important role here: eating a vegetarian diet reduces the environmental impact from consumption of private households by ten percent overall.

Nonetheless, the environmental impact is not only dependent on meat consumption; a diet that

  • reduces animal produce including meat, milk and eggs;
  • contains fewer luxury consumables such as alcohol, coffee and chocolate; and
  • avoids greenhouse-grown vegetables and products imported by plane

can reduce the environmental impact of a household’s total consumption by about 13 percent.

Consumers can also choose to buy the more expensive organic meat or a cheaper piece of meat from conventional intensive livestock farming. Do you buy an entire chicken or only the fancy breast fillets?

The ingredient of parsimony

In addition to these two courses of action, one can also seize the opportunity to save money. This means,

  • not buying any more than one needs,
  • not planning bigger portions than needed; and
  • integrating leftovers in meal-plan instead of throwing it out.

If less is consumed, less needs to be produced.

Responsibility of politics

The regulatory framework in which consumers act is set by politics. For the desired development, the framework has to be such that all relevant actors along the value chain can act in the sense of the desired transformation to animal welfare and environmentally-friendly food. Laws, for example, provide the framework for livestock farming, animal transport and slaughter, whilst also integrating EU requirements regarding nitrate.

Those responsible in politics and administration should actively use the instrument of public procurement for this transformation including more organic food in commercial kitchens and more attractive dishes with less meat on the menu. This system lever is often underestimated, for it not only has a direct effect in the respective facilities with communal catering, but also generates an effect on demand in the value chain. Certain offers are only made possible through big enough demand, which then only makes them available to other actors.

Political approaches using pork as an example

In the Trafo 3.0 project, experts from Oeko-Institut have developed approaches for transforming pig and pork farming:

  1. Using social trends
    An example of a relevant trend in meat consumption and meat production is the willingness to pay a higher price for meat from animal-friendly husbandry. In order to push this, politicians can create the necessary transparency through the obligatory declaration of husbandry conditions on products and a strict national animal welfare label for instance. Regional products are also becoming very popular and could hence also develop into a trend. Here, politicians could provide incentives for the re-establishment of regional value chains.
  2. Fostering innovation
    Digitalization is already being used in innovative ways for direct marketing. Regional institutions (e.g. associations, local authorities) could incorporate this further by launching digital platforms that increase the reach of small businesses and make them more visible. Long-term breeding programs could also be established with breeding objectives, which focus not only on performance, but also on animal health, robustness and motherliness.
  3. Ending unsustainable structures
    Policy makers should set clear exit targets for unsustainable farming systems in livestock production and develop an implementation strategy that includes a transparent timetable and a financing plan for the farms and regions concerned.
  4. Using time windows
    Crisis situations often offer the opportunity for change. Farm handovers and succession arrangements can also be used to convert to organic farming. The institutional advisory services for agricultural enterprises should actively use this.

Conclusion: There are already numerous approaches on how to support the desired transformation. Many actors and levels of action are required. Consumers can do their part by eating less meat, eating meat produced under more environmentally friendly and animal-friendly conditions, eating more organic produce, and avoiding waste through frugal consumption. 

Dr. Dietlinde Quack is an expert on sustainable consumption and products and works in the „Products and Material Flows“ department of Oeko-Institut in Freiburg. She regularly writes for the Critical Agricultural Report.

Möchten Sie diesen Beitrag kommentieren?

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.