#plastikfrei leben ohne Lebensmittelverpackungen. Quelle: Öko-Institut

#plastikfrei leben: Jeder produziert Mikroplastik

Wir müssen uns bei jedem Stück Plastik, das wir benutzen, fragen: Was könnte ich anders machen, damit ich dieses Stück Plastik nicht brauche?

Der Albtraum ist Realität

Unsere Umwelt erstickt in Kunststoffabfällen: An Flussufern, Meeresstränden und in unseren Böden findet sich eine unzählbare Menge von Plastikfragmenten. In den Weltmeeren wabern riesige Plastikstrudel.

Was können wir alle tun, um die Plastikflut einzudämmen? 

Das Öko-Institut stellt in dieser Blogserie Ideen vor, wie jeder und jede Einzelne ihren Plastikverbrauch reduzieren kann. Das Ergebnis ist aus ist aus einem spendenfinanzierten Kreativprozess mit Forschern und Forscherinnen des Öko-Instituts und Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Zivilgesellschaftsorganisationen und Wissenschaft hervorgegangen.

Nicht mehr beherrschbare Schädigung unserer natürlichen Lebensgrundlagen

Kunststoffe, wie wir sie heute kennen, sind erst seit etwa 60 Jahren im Umlauf. Was anfangs als bewundertes Zaubermaterial galt, wandelte sich bald in ein Symbol für billige Wegwerfprodukte. Zwei bis drei Generationen der Menschheit haben es geschafft, Plastikabfälle bis in die entferntesten Winkel unseres Planeten zu verbreiten.

Galt Plastikmüll bisher eher als „Schönheitsmakel in der Landschaft“, wird nun durch wissenschaftliche Forschung klar, dass eine „Plastokalypse“, also ein unser Leben bedrohendes Ausmaß an Plastik in unserer Umwelt, Wirklichkeit geworden ist: Der fortdauernde Plastikeintrag hat zu einer nicht mehr beherrschbaren Schädigung unserer natürlichen Lebensgrundlagen geführt:

  1. Die Verursacherinnen und Verursacher des Problems sind wir alle. Nicht nur jene, die Plastiktüten ins Meer werfen, sondern auch wir, die verpackte Lebensmittel konsumieren, Auto fahren, Glitzerkonfetti in die Luft werfen oder Kleidung aus synthetischen Textilien tragen.
  2. Die Plastikflut hat globale Ausmaße und beeinträchtigt nahezu alle natürlichen Ökosysteme.
  3. Die Plastikverschmutzung der Natur ist unumkehrbar, das Zurückholen von Billionen kleinster Plastikfragmente aus Böden, Flüssen und Meeren ist nicht leistbar.
  4. Das wirkliche Ausmaß der Schädigung ist momentan noch nicht abschätzbar.

Bisherige technische Lösungsstrategien wie Ökodesign, biobasierte Kunststoffe, kompostierbare Kunststoffe, Verpackungsrecycling sind keine Lösung für das Problem, da trotzdem immer mehr Kunststoffabfall entsteht. Auch andere Anwendungsfelder wie Chemiefasertextilien und Fahrzeugreifen tragen massiv zur Freisetzung von Plastikpartikeln in die Umwelt bei. Und trotz einer guten abfallwirtschaftlichen Praxis landet ein großer Anteil davon in Böden, Flüssen und Meeren.

Schock für deutsche Abfallentsorgung 2018: China nimmt nichts mehr ab

Dass die Volksrepublik China Anfang des Jahres 2018 einen Importstopp für vorsortierte Kunststoffabfälle verhängte, hat die deutsche Kunststoff- und Recyclingindustrie aus ihrer Komfortzone geworfen.

Auch die Öffentlichkeit musste sich die jahrelange Verdrängungspraxis durch Abfallexporte eingestehen. Das Einsortieren von Verpackungsabfällen in den Gelben Sack ist ein kleiner Beitrag, aber keine ausreichende Lösung für das Eindämmen der Plastikflut. Auch in der letzten Berichtsperiode 2017 ist die Menge an Verpackungsabfällen wieder gestiegen auf eine neue Rekordmenge von 3,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Kunststoff gewachsen. Es wird davon nur etwa die Hälfte – rund 1,6 Millionen Tonnen, also 49,7 Prozent – wiederverwertet, der Rest verbrannt. 225.000 Tonnen Kunststoff wurden zur Verwertung exportiert. Deshalb ist es höchste Zeit, über die Ursachen des Problems nachzudenken.

Das Problem an der Wurzel bekämpfen: Kalter Konsum-Entzug

Was kann getan werden, um die Plastikflut bei der Ursache – dem massenhaften Konsum von Kunststoffen – einzudämmen? Was wären die Konsequenzen eines Kunststoffverzichts für unsere Lebensweise?

Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass mit der Wiederverwertung von Kunststoffabfällen die Plastikeinträge in die Umwelt nicht ausreichend reduziert werden. Trotz Recycling landen noch immer große Mengen an Kunststoffpartikeln in der Umwelt. Solange die auf Massenkonsum orientierte Lebensweise nicht hinterfragt wird, bleiben technische Lösungsansätze unzureichend. Eine Reduktion des Kunststoffeinsatzes mit Hilfe anderer Materialien könnte zwar die Umwelt von Plastikabfällen entlasten. Je nach Ersatzmaterial entstehen aber andere Umweltbelastungen, wenn diese weiterhin so verschwenderisch genutzt werden wie Plastik.

Möglichkeiten für Konsumentinnen und Konsumenten:

  1. Konsum reduzieren: Mehr Zeit haben, anstatt viel konsumieren.
  2. Längere und intensivere Nutzungsdauer von Kunststoffprodukten (Reparieren, Wiederverwenden, Teilen)

Möglichkeiten für Politik und Wirtschaft:

  1. Politik und Gesetzgeber sollen endlich ordnungsrechtliche Maßnahmen ergreifen, um den Plastikverzicht zu belohnen. Dazu gehört, die Kosten für die Umweltschäden von Plastikmüll direkt auf die Preise von Kunststoffprodukten aufzuschlagen, beispielsweise durch eine Kunststoff- – oder noch besser – eine Ressourcensteuer, deren Einnahmen direkt in die Unterstützung von plastikfreien Geschäfts- und Konsummodellen fließt.
  2. Industrie und Handel können plastikfreie Alternativen anbieten, um die Anstrengungen von Konsumenten und Konsumentinnen zur Plastikvermeidung zu unterstützen. Dazu gehört auch, besonders plastik-intensive Produkte oder Verpackungen aus dem Angebot zu nehmen und Kunststoffe nur noch in Pfand- oder Mehrweg-Kreisläufen einsetzen.

Dr. Andreas Köhler, Moritz Mottschall, Martin Möller sind Wissenschaftler an den Institutsstandorten Freiburg und Berlin. Im Spendenprojekt „Ohne Plastik leben – aber wie!?“ haben sie sich mit den Möglichkeiten und Auswirkungen eines Plastikverzichts auseinandergesetzt: mit den Gründen für die Kunststoffnutzung, mit den Erfahrungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern bei der Plastikvermeidung, mit alternativen Materialien. Die Ergebnisse des Projektes werden unter #plastikfrei leben im Blog des Öko-Instituts veröffentlicht.

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