Joker „Elektromobilität“: Kann er alleine alle verkehrsbedingten Umweltprobleme lösen?

Elektromobilität ist eine zentrale Maßnahme zur Minderung der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen. Aber: Andere negative Folgen des Verkehrs, wie etwa der nicht-energetische Rohstoffbedarf, Lärmemissionen, Flächeninanspruchnahme und Verkehrstote, erfordern ein weitergehendes Umdenken im Verkehrssektor.

Nach aktuellen Analysen der Agora Energiewende wird Deutschland ohne zusätzliche politische Maßnahmen sein Klimaziel für 2020 verfehlen: Anstatt der angestrebten 40 Prozent werden demnach nur 30 bis 31 Prozent Reduktion der Treibhausgasemissionen gegenüber dem Jahr 1990 erreicht. Bis 2050 ist sogar eine fast vollständige „Dekarbonisierung“ nötig, um die globale Erwärmung auf zwei beziehungsweise 1,5 Grad zu beschränken. Das größte „Sorgenkind“ ist dabei der Verkehrssektor, der bis heute gegenüber 1990 sogar einen Anstieg der Treibhausgasemissionen zu verzeichnen hat.

Elektromobilität als Teil der Lösung

Elektromobilität ist ein zentraler Baustein für Klimaschutz im Verkehr und stellt gleichzeitig eine Lösung für die Luftschadstoffbelastung in innerstädtischen Bereichen dar. Aber: Nicht überall können batterieelektrische Fahrzeuge eingesetzt werden und selbst wenn diese besonders energieeffizient sind, erneuerbare Energien verbrauchen sie dennoch. Der Umstieg auf effizientere, elektrisch betriebene Fahrzeuge allein stellt deshalb noch nicht die Nachhaltigkeit des Verkehrs sicher. Denn durch reine Elektromobilität würde sich nicht die zunehmende Flächenkonkurrenz in Städten zwischen Parkflächen und frei nutzbaren Flächen verringern. Die Lärmemissionen sinken nur im niedrigen Geschwindigkeitsbereich und der Bedarf an nicht-energetischen Rohstoffen bleibt unverändert hoch. Auch der Sicherheitsstrategie, dass im Straßenverkehr keine Menschen mehr sterben („Vision Zero“), kommt man dadurch nicht näher.

Stadt der kurzen Wege

Es braucht also parallel zum Vorantreiben der Elektromobilität weitere Ansätze: Die „Stadt der kurzen Wege“ etwa mit verbesserten Einkaufs-, Versorgungs- und Freizeitmöglichkeiten sowie einem attraktiven öffentlichen Verkehr, einer umfassenden und sicheren Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur und guten Carsharing-Angeboten. Dann könnte auf mehr Autos verzichtet und weniger Parkfläche benötigt werden. Dafür gäbe es mehr Platz für Fahrradwege, Grün- oder Freizeitflächen.

Attraktive Alternativen zum Pkw

Dass eine Entwicklung zu mehr Lebensqualität in Innenstädten auch insgesamt mit positiven volkswirtschaftlichen Effekten einhergehen kann, zeigen die Ergebnisse des Projekts „Renewbility III – Optionen einer Dekarbonisierung des Verkehrssektors“. Die Fahrleistung der Pkw geht im ambitioniertesten Szenario bis zum Jahr 2050 deutlich zurück, ohne dass dabei grundlegende Mobilitätseinschränkungen in Kauf genommen werden müssen. Denn durch die veränderte Siedlungsstruktur werden die Wege kürzer. Außerdem stehen viele attraktive Alternativen zum Pkw zur Verfügung – vom öffentlichen Verkehr über Fahrräder, E-Bikes bis hin zu Sharing-Angeboten. Mit welchen zukunftweisenden Maßnahmen Städte den Verkehr nachhaltig ausrichten können, zeigt das Spendenprojekt „Stadt der Zukunft. Lebenswerte Innenstädte durch emissionsfreien Verkehr“ des Öko-Instituts auf . Dabei gehören der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und des Fuß- und Radverkehrs, Verkehrserziehung und -überwachung, Parkraumbewirtschaftung zu den Maßnahmen, um die Städte lebenswerter für alle machen. Und auch in anderen Umweltbereichen – wie etwa bei der Rohstoffversorgung – können durch eine neue Mobilitätskultur positive Effekte erzielt werden.

Unser Fazit:
Elektromobilität stellt einen wichtigen Einstieg in einen zukunftsfähigen Verkehr dar. Doch reicht der Umstieg alleine nicht aus, um ökologisch nachhaltig mobil zu sein. Die langfristigen Klimaschutzziele können so zwar realisiert werden. Doch kann der Technologiewechsel alleine nicht Lärmemissionen, Flächenverbrauch und den Bedarf von energetischen und nicht -energetischen Ressourcen verringern. Es braucht daher den Einstieg in eine umfassende Verkehrswende, die es ermöglicht, zukünftig auf kürzeren Wegen zum Ziel zu kommen, nicht-motorisiert oder mit dem öffentlichen Verkehr einfach und sicher unterwegs zu sein und den öffentlichen Raum alternativ zu Straßen – und Parkflächen erlebbar zu machen.

 Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Teams „Nachhaltiger Verkehr“ gehören zum Institutsbereich Ressourcen & Mobilität und arbeiten an einem breiten Themenspektrum, um Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung im Verkehrssektor zu entwickeln.

 

Dazu passen folgende Blogartikel

Interview mit Manuela Schönau zum Projekt „Intelligent mobil im Wohnquartiert“

Interview mit Lukas Minnich zum „Faktencheck Elektromobilität“

Weitere Informationen

„Faktencheck Elektromobilität“ –  das umfangreiche FAQ des Öko-Instituts

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