„Leben ohne eigenes Auto“ – Wie Anna die Mobilität neu entdeckt

Eigenes Auto = bequeme Freiheit?

Liebe Anna,

wir beide kennen uns nun schon seit mehreren Jahren, in denen sich viel bei dir verändert hat: beruflich bist du in deinem Job als Bürokauffrau angekommen und auch privat hast du dein Glück gefunden. Du lebst mit deinem Mann Thomas und eurer Tochter Lotta nun schon seit längerem in der kleinen, aber gemütlichen Mietswohnung in Berliner Bezirk Schöneberg.

Ihr liebt es dort, auch weil hier einiges geboten wird: Cafés, Restaurants und Kino. Spielplatz und Kindergarten sind fußläufig erreichbar, ebenso der nächste Supermarkt. Auch euer Arbeitsweg ist für euch gut machbar – schließlich besitzt ihr beide ein eigenes Auto, das immer griffbereit vor eurer Haustür darauf wartet, von euch ausgefahren zu werden.

Wenige Hundert Meter entfernt, gibt es eine Tramhaltestelle und die Fahrradstraße in der Belziger Straße ist auch nicht weit von eurem Zuhause entfernt. Neuerdings gibt es sogar so eine Carsharing-Station im Kiez. Dort steht mit großen Lettern geschrieben „Besitzt du noch oder teilst du schon?!“

Das hat dich zum Nachdenken gebracht, wie du mir  mal erzählt hast, und  dein eigenes Auto kam dir in den Sinn. Du spielst ja schon länger mit dem Gedanken, deinen Kleinwagen abzuschaffen. Eigentlich steht er ja doch ziemlich häufig ungenutzt herum und mutiert zunehmend zum geldfressenden „Stehzeug“.

In Zeiten zunehmender Verkaufszahlen für SUVs und Co. lesen wir auch in den Medien immer häufiger vom „Statussymbol Auto“. Ob das wohl auch auf deinen sieben Jahre alten „Olli“, wie du ihn liebevoll nennst, zutrifft? Wohl eher nicht.

Dennoch: Den finalen Schritt, das eigene Auto abzuschaffen, hast du noch nicht gewagt. Warum auch? Olli steht dank deines Bewohnerparkausweises kostengünstig und gut erreichbar. Dadurch dass er immer verfügbar ist, seid ihr zeitlich flexibel und zudem ist es viel komfortabler mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein – ob nun zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Sport.

Wenn du am Morgen siehst, wie die Menschen zum Bus sprinten – oder alternativ mit einer Mischung aus Verärgerung und Ungeduld im Gesicht auf die nächste Tram warten, die natürlich mal wieder Verspätung hat  – dann fühlst du dich in deinem eigenen kleinen Reich einfach nur pudelwohl. Keine unübersichtlichen Fahrpläne, keine überteuerten Tickets, keine langen Wartezeiten und zudem schneller und komfortabler am Ziel. Ja, in solchen Momenten bist du dir sicher: auf meinen Olli verzichten? Niemals!

Vielleicht habe ich es tatsächlich etwas einfacher als du, weil ich noch nie ein eigenes Auto besessen habe. Trotzdem glaube ich, dass auch für dich ein Leben ohne Auto nicht nur funktionieren, sondern sogar eine Bereicherung sein kann. Lass mich wissen, wie du dich entscheidest in Zukunft mobil zu sein!

Spätestens am kommenden Freitag melde ich mich wieder. 🙂

Viele Grüße von deiner Manuela

Dr. Manuela Schönau ist Expertin für nachhaltige Individualmobilität und
arbeitet im Bereich „Ressourcen & Mobilität“ am Standort Berlin.
Ihre Blog-Reihe „Autofreies Leben“ entstand im Rahmen des
UBA-Projekts „Verbraucherberatung als Baustein einer erfolgreichen Ressourcenpolitik“.

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