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#nachgefragt: 1. Was ist der größte Mythos zum Thema …?

Für unser Online-Magazin eco@work interviewen wir unsere Gesprächspartner zu einem Leitthema. Zum Schluss stellen wir ihnen immer drei gleiche Fragen: 1. Was ist der größte Mythos zum Thema …? 2. Wenn sie Bundeskanzler*in wären was würden sie bei … ändern? Und 3. Was können wir von der Covid-19-Pandemie für … lernen? Die Antworten finden Sie hier.

MMichael Bloss, Mitglied des Europaparlaments, Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz, Quelle: privat

Michael Bloss, Mitglied des Europaparlaments, Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz, Quelle: privat

Was ist für Sie der größte Mythos mit Blick auf einen ambitionierten Klimaschutz, Michael Bloss?

Dass uns in der Zukunft irgendeine interessante Technologie retten wird. Hier gibt es ja unterschiedliche Ansätze – etwa mit Blick auf Carbon Capture and Storage-Technologien, also Ansätzen zur Speicherung von CO2. In so etwas wurde schon sehr viel Geld versenkt und trotzdem funktioniert es immer noch nicht so wirklich. Irreführend ist auch der Ansatz, dass wir unsere Gasboiler in Zukunft einfach mit Wasserstoff betreiben. Dabei sagt uns die Wissenschaft doch schon längst, dass das nicht funktionieren wird. Durch solche Ideen wird ein Zukunftsglauben ausgebeutet. Wir aber müssen die Lösungen der Gegenwart nutzen.

Dr. Auke Hoekstra, Quelle: privat

Drs. Auke Hoekstra, Programmdirektor an der Technischen Universität Eindhoven und Gründer von Zenmo Simulations

Welcher Mythos in Sachen Elektromobilität hat Sie bisher am meisten geärgert, Drs. Auke Hoekstra?

Dass Elektroautos extrem weite Strecken zurücklegen müssen, um die Mehremissionen bei der Produktion auszugleichen. Hier standen ja auch schon mal 100.000 Kilometer und mehr im Raum. Der reale Wert liegt bei den meisten Autos aber eher bei 30.000 Kilometern.

Stefan Leiner, Leiter des Referats Biodiversität bei der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, Quelle: privat

Was ist für Sie der größte Mythos mit Blick auf Biodiversität, Stefan Leiner?

Dass es dabei nur um bedrohte Tierarten geht, um Gorillas und Elefanten. Und dass es eher ein Luxusthema für reichere Länder ist, sich mit diesem Thema beschäftigen zu können, weil es nicht möglich ist, Biodiversität im Einklang mit der ökonomischen und sozialen Entwicklung wiederherzustellen.

Dr. Ines Verspohl, Abteilungsleiterin Sozialpolitik beim Sozialverband VdK Deutschland e.V. Quelle: privat

Dr. Ines Verspohl, Abteilungsleiterin Sozialpolitik beim Sozialverband VdK Deutschland e.V. Quelle: privat

Was ist für Sie der größte Mythos, wenn es um eine sozial gerechte Mobilität geht, Dr. Ines Verspohl?

Dass arme Menschen die Verursacher von Schadstoffen sind, weil sie mit alten Autos durch die Gegend fahren. Arme Menschen haben aber meist gar kein Auto und wenn doch, fahren sie weniger und kürzere Strecken – und sie machen übrigens auch keine Fernreisen, was deutlich mehr Schadstoffe verursacht.

Dr. Allison Macfarlane, Leiterin School of Public Policy and Global Affairs, University of British Columbia, Kanada, Quelle: privat

Dr. Allison Macfarlane, Leiterin School of Public Policy and Global Affairs, University of British Columbia, Kanada, Quelle: privat

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Mythos, wenn es um die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle geht, Dr. Allison Macfarlane?

Dass wir warten können. Dass wir in Zukunft schlauer sein und einen besseren Weg finden könnten. Dass wir die radioaktiven Abfälle bis dahin gelagert lassen sollten. Das alles ist falsch.

Daniel Fuhrhop, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Quelle: Privat

Daniel Fuhrhop, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Quelle: Privat

Was ist aus Ihrer Sicht der größte existierende Mythos, wenn es um Wohnflächen geht, Daniel Fuhrhop?

Dass sich die Nachfrage nach Wohnraum nur mit entfesseltem Neubau lösen lässt, obwohl es stattdessen mit geschickter genutzten Altbauten möglich wären, sie zu decken. Aus meiner Sicht könnte man den überwiegenden Teil der Neubauten überflüssig machen.

Prof. Dr. Stefan Gössling, Professor für Tourismusforschung, Linnaeus Universität, für Humanökologie, Lund Universität, Quelle: privat

Prof. Dr. Stefan Gössling, Professor für Tourismusforschung, Linnaeus Universität, für Humanökologie, Lund Universität, Quelle: privat

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Mythos beim Thema Fliegen und Klimaschutz, Prof. Dr. Stefan Gössling?

Dass wir das Problem durch die Vorschläge der Flugindustrie technisch in den Griff bekommen. Es werden ja ständig neue „Lösungen“ präsentiert – effizientere Flugzeugtypen, nachhaltigere Kraftstoffe, elektrische Antriebe. Doch jeder dieser Vorschläge kommt und geht, realisiert worden ist nichts von dem, was in den letzten 25 Jahren als Lösung propagiert wurde. Und CORSIA, ein internationales „Instrument“ für den Klimaschutz im Luftverkehr, ist aus meiner Sicht nichts mehr als eine Nebelkerze. Man hat die ganze Flugindustrie dann ja auch davon entbunden, wirklich etwas zu tun, also Emissionen messbar zu vermindern.

 

Die Interviews führte die freiberufliche Autorin Christiane Weihe, die für das Onlinemagazin eco@work des Öko-Instituts schreibt.

Weitere Informationen

Onlinemagazin „eco@work“ des Öko-Instituts

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