Grüne Mode? Die steht mir gut!

Hier ein Shirt, da eine Jeans, dort eine Jacke: Im Schnitt verbrauchen die Deutschen pro Kopf rund 20 Kilogramm Kleidung pro Jahr. Die Textilbranche macht es uns einfach, indem sie erschwingliche Mode am Fließband produziert. Nicht verkaufte Kleidung wird zerstört und zu Malervlies oder Putzlappen verarbeitet. Kostbare Ressourcen und Arbeitskraft werden so regelrecht vernichtet. Dabei würde die Hälfte der weltweiten Textilproduktion bereits für alle reichen.

Unsere Kaufentscheidung wirkt woanders

Die Massenproduktion wirkt sich enorm auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen in den Herstellerländern aus. So werden etwa beim konventionellen Baumwollanbau sehr große Mengen an Pflanzenschutz- und Düngemitteln genutzt. Diese belasten Gewässer und Böden und gefährden Tiere und Pflanzen. Die eingesetzten Bewässerungssysteme gewährleisten keinen nachhaltigen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser, die ohnehin in vielen Anbaugebieten rar ist. Zudem: Große Anbauflächen, Monokultur und gentechnisch veränderter Baumwolle greifen massiv in die biologische Vielfalt ein.

Der Einsatz von umwelt- und gesundheitsgefährdenden Chemikalien in der Herstellung der Stoffe hat verheerende Auswirkungen in den Ländern, in denen die Textilien hergestellt werden. Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bedrohen außerdem die Gesundheit und das Leben – wie etwa beim Rana Plaza-Unglück 2013 in Bangladesch – der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Textilfabriken und Nähereien.

Was ist teuer, was ist billig?

„Grüne“ Mode erscheint oft deshalb zu teuer, weil konventionelle Massenmode im Verhältnis zu billig angeboten wird. Doch sind gerade Schnäppchenpreise mit der Gewährleistung von sozialen Mindeststandards nicht vereinbar. Gleichzeitig stellen hohe Preise nicht sicher, dass ein Kleidungsstück aus Bio-Rohstoffen gefertigt wurde. So kann es vorkommen, dass bei einem 140 Euro-Sporttrikot eines Markenherstellers die Näherin aus El Salvador von dem Verkaufspreis nur wenige Cent als Lohn erhält.

Öko und fair: Unsere Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft

Umso wichtiger ist der Blick auf zertifizierte Nachhaltigkeitslabel, wie etwa Blauer Engel, bluesign® product oder GOTS. Sie bewerten ökologische und soziale Standards entlang der gesamten textilen Produktionskette. Alle empfehlenswerten Umweltlabel sind auch auf dem Onlineportal Siegelklarheit.de zusammengestellt. Und für uns gilt: Lieber seltener neu einkleiden, dafür aber nachhaltige und qualitativ hochwertige Kleidung kaufen, die lange hält und so Umwelt und Ressourcen schont.

Informationen zur Grafik „Ökologische und soziale Hotspots entlang der textilen Produktionskette“ auf flickr:  Die Grafik zeigt entlang des gesamten Lebenswegs eines Kleidungsstücks – von der Herstellung der Rohfasern, über der Verarbeitung bis hin zum Transport und Nutzung der Textilien – potenzielle Risiken für Umwelt und Gesundheit sowie Schwachstellen des Arbeitsschutzes.

 

Alexa Hännicke ist Geoökologin und Fachjournalistin und
arbeitet vom Standort Darmstadt aus im Team Öffentlichkeit & Kommunikation.
Dr. Jenny Teufel ist Expertin für Nachhaltigen Konsum und arbeitet in Freiburg
als Senior Researcher im Institutsbereich Produkte& Stoffströme.  
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