Konsum soll nicht ausufern, Quelle: FStopImages/ Malte Müller

Zehn Bausteine für einen nachhaltigen Konsum

Nachhaltiger Konsum – geht das überhaupt? Das wird unser Wissenschaftler Felix Behrens in seinem Freundeskreis immer mal wieder gefragt, seit er beim Öko-Institut arbeitet. Zusammen mit seinen Kolleg*innen, hat Felix Behrens 10 wichtige Grundsätze zusammengefasst, die beim nachhaltigen Konsum helfen.

Auf den ersten Blick scheinen sich die beiden Wörter „nachhaltig“ und „Konsum“ zu widersprechen, wie etwa „Brennholz-Verleih“ – ein Ausdruck der Unmöglichkeit. Denn Konsum verbraucht immer Ressourcen. Selbst, wenn es darum geht, Grundbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung oder Wohnen zu befriedigen.

Man kann dabei den Impuls verspüren, den Kopf in den Sand zu stecken und der allgemeinen Konsumlogik zu folgen. Doch es gibt Unterschiede! Ein kleiner materieller Wohlstand, der auf Bedürfnisse und Funktionalität ausgerichtet ist, anstatt auf Status und Quantität, kann mit planetaren Grenzen vereinbar sein. Dazu hilft es, folgende Grundsätze zu berücksichtigen. „Die folgende Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll dazu motivieren, die ersten Schritte einer sozial-ökologischen Transformation zu gehen“

1. Kaufe nur, was du wirklich brauchst!

Die Funktion des gekauften Produkts sollte nicht umfänglicher sein als deine Bedürfnisse. Kaufe unabhängig von der Mode. Kaufe niemals etwas, nur weil es günstig ist!

2. Du brauchst nicht alles immer selbst. Teile, leihe und verleihe so oft wie möglich!

Nutze und gestalte gemeinnützige Community-Orte, Repair-Cafés, Nachbarschaftshilfen, Tauschbörsen, Urban-Gardening Projekte (z.B. transition-initiativen.org).

3. Ernähre dich mit pflanzenbasierten Lebensmitteln. Genieße bewusst!

Habe den Mut, Gewohnheiten, Einkaufsroutinen und Abhängigkeiten in Frage zu stellen. Koche und genieße gemeinsam mit anderen Menschen.

4. Mach dich für flug- und autofreie Mobilität stark. Nutze das (E-)Fahrrad oder die Füße, Bus, Bahn, Carsharing, Mitfahren oder Taxi!

Damit tust du auch etwas für die globale und soziale Gerechtigkeit. Denn die Länder des globalen Südens leiden am meisten unter dem Klimawandel. Arme Menschen sind besonders durch die Emissionen von Lärm und Feinstaub belastet, obwohl sie viel seltener und weniger Auto fahren und fliegen. Außerdem erteilst du dem Auto als Statussymbol und dem Rasen auf öffentlichen Straßen eine Absage. Nutze und stärke Alternativen, die gut für alle sind!

5. Lebe auf kleiner Fläche in einer gut gedämmten Wohnung. Beziehe erneuerbare Energien!

Überzeuge deine Mitbewohner*innen von der Lebensqualität und deine Vermieter*in von dem Einsparpotential einer gut gedämmten Wohnung. Als Mieter*in kannst du dich im Mieterverein einbringen. Bist du Hausbesitzer*in, dann saniere dein Haus energetisch und baue eine Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlage oder eine solarthermische Anlage ein. Lasse dich zum energieeffizienten Wohnen beraten. In Bürgerenergie-Projekten kannst du mit anderen Menschen in deiner Umgebung zusammen dein eigener Ökostrom-Anbieter werden. Schaffe Möglichkeiten, Räume gemeinsam zu nutzen und teile Raum, den du nicht für dich allein brauchst. Plane Neubauten modular, zum Beispiel mit flexiblen Wänden und mobilen Anbauten.

6. Verwende Produkte, bei deren Nutzung keine Energie verbraucht wird – zum Beispiel Kleidung, Möbel, Fahrräder – solange wie möglich. Langlebigkeit ist das oberste Ziel!

Wähle deshalb das Produkt mit der besten Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Wiederverwendbarkeit. Kaufe gebraucht, verlängere die Lebensdauer und schenke Dingen ein zweites Leben. Produkte mit höherem Einkaufspreis (bei gleicher Funktion) halten meist länger und sind daher über den gesamten Lebenszyklus günstiger.

7. Verwende Produkte, die während der Nutzung Energie verbrauchen, so lang, bis sie das Optimum der Lebensdauer erreicht haben! Das Optimum tariert den Ressourcenaufwand der Produktion und die Effizienzsteigerung zukünftiger Produkte aus. (Die optimale Nutzungsdauer von Laptops wäre 30 Jahre.)

Achte besonders bei Produkten, deren Herstellung sehr aufwendig ist, darauf, dass einzelne Bestandteile nachrüstbar sind – zum Beispiel eine wechselbare Batterie oder ein auswechselbarer Prozessor. Auch bei energieverbrauchenden Produkten lohnt sich unter ökologischen Gesichtspunkten in den meisten Fällen eine Reparatur.

8. Beachte Menschenrechte und Umweltverschmutzung in der Lieferkette!

Kaufe deshalb keine Produkte, die offensichtlich zu billig verkauft werden. Denn Dumping-Preise sind häufig nur durch Ausbeutung von Beschäftigten oder unter Missachtung von Umweltstandards möglich. Investiere ausschließlich in nachhaltige und ethische Geldanlagen. Informiere dich. Bei der Suche nach besonders nachhaltigen Produkten helfen Labels wie der Blaue Engel, der Grüne Knopf, Fair Trade, Biosiegel, GOTS, FSC oder MSC. Mehr Information findest du auf www.siegelklarheit.de.

9. Bedenke schon beim Kauf das Recycling!

Frage beim Kauf nach der stofflichen Zusammensetzung des Produktes, nach Giftstoffen und nach der Trennbarkeit der Bestandteile. Informiere dich über Abgabestellen und Rücknahmesysteme.

10. Hilf anderen, nachhaltig zu konsumieren!

Setze dich für strukturelle Veränderungen ein und diskutiere mit anderen Menschen die aktive Gestaltung einer sozial-ökologischen Transformation. Engagiere dich in Vereinen, Verbänden oder Parteien.

Felix Behrens ist wissenschaftlicher Assistent im Institutsbereich Produkte & Stoffströme
am Öko-Institut in Berlin. Er entwickelt unter anderem Indikatoren und Politikinstrumente, um die Umweltwirkungen von Informations- und Kommunikationstechnik und Software zu bestimmen und zu verringern.

Kommentare
  1. Silke Behrens

    Danke für die sehr verständlich geschriebenen und überzeugenden Tipps! Allerdings frage ich mich, ob ich eine Behauptung richtig verstanden habe: Ein Laptop habe die Lebensdauer von 30 Jahren? Könnten wir jetzt noch mit den ersten Modellen aus den 90iger Jahren (falls es sie damals schon gab) arbeiten und dann auch noch mit anderen zusammenarbeiten (Videokonferenzen abhalten, skypen …)? Reicht die damalige Speicherkapazität für heutige Fotos/Fotobücher etc.?

    • Felix Behrens

      Vielen Dank für die sehr gute Frage. Leider funktioniert es nicht, Informationstechnik in digitalen Ökosystemen angemessen lange zu betreiben. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass Leistung und Funktionsumfang insbesondere bei Informationstechnik viel schneller zunehmen als die Energieeffizienz der Geräte. Der Effekt, wenn eine Effizienzsteigerung insgesamt zu höheren Umweltbelastungen führt, heißt Back-fire (manchmal auch Rebound-Effekt genannt).
      Es gibt übrigens Open-Source Betriebssysteme, mit denen auch alte Hardware noch flüssig arbeitet.

  2. Claudia Wahjudi

    Ich arbeite Kulturredakteurin und frage mich nach der Lektüre Ihres Blogs: Wo würden Sie die Theaterkarte, das Buch, die Zeichnung, das Konzertticket einordnen?
    Ich freue mich auf Ihre Antwort,
    Claudia Wahjudi

    • Felix Behrens

      Vielen Dank für Ihre sehr gute Frage. Ich verstehe sie so, dass Sie sich fragen, warum immaterielle (Kultur-) Güter nicht explizit erwähnt werden. Das liegt daran, dass sie eine relativ geringe (direkte) Umweltauswirkung haben und eine stärkere Nachfrage (z.B. mehrfaches Lesen desselben Buches) nicht zwangsläufig zur mehr Umweltbelastungen führt.
      Ich möchte zusätzlich auf Nummer 2 verweisen. Theater und Konzerträume können tolle Community-Orte sein. Kulturgüter eignen sich insbesondere dafür, geteilt zu werden. (Ob ein Kinobesuch oder eine Streaming-Abend energieeffizienter ist, hängt hauptsächlich vom Transportmittel ab und ist eine Diskussion über Auto-Infrastruktur statt über Kulturgüter.) Auch Bücher, Zeichnungen, Zeitungen etc. lassen sich sehr gut verleihen oder nach dem Lesen verschenken.

  3. Pingback: Länger nutzen und reparieren: Acht Empfehlungen für die Kreislaufwirtschaft in Mexiko - Öko-Institut e.V.: Blog

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