Terran reisen – ohne Flugzeug unterwegs

Terran – was ist das? Es ist ein neues Wort, um nachhaltiges und zukunftsfähiges Unterwegssein zu beschreiben. Denn mit keiner anderen Konsum-Entscheidung lässt sich das Klima einfacher und schneller schonen, schreibt Benjamin Köhler.

Terran e.V. ist ein noch junger und kleiner Verein. Die meisten aktiven Mitglieder sind aus Freiburg, wir haben aber auch Mitglieder beispielsweise in Frankfurt am Main und seit Ende 2020 einen Schwesterverein in der Schweiz.

Die Idee hinter terran: Sprache kann ein Schlüssel für Veränderung sein und das Bewusstsein ändern. Durch die Erfindung und Verbreitung des Wortes terran, was so viel bedeutet wie „ohne Flugzeug unterwegs“, wollen wir das Bewusstsein für terranes und nachhaltiges Reisen stärken und dieser Art der Fortbewegung ein positives Image verleihen.

Wir wollen mit unserem Verein und dem neuen Wort erreichen, dass sich mehr Menschen terran bewegen, sich für terranes Reisen, Arbeiten und Leben begeistern, und dass all das positive Assoziationen und Gefühle hervorruft. Daneben klären wir über die klimatischen Auswirkungen des Fliegens auf und geben Menschen die Möglichkeit, sich zum „terranen Lebensgefühl“ zu bekennen. Wichtig ist uns dabei, nicht dogmatisch zu sein.

Warum terran?

Sich terran fortzubewegen, das heißt weniger oder nicht mehr zu fliegen, ist die effektivste Möglichkeit, den eigenen individuellen CO2-Fußabdruck zu verringern. Denn im Vergleich zu terranen Verkehrsmitteln, wie Zügen oder Bussen, ist die Klimawirkung von Flugzeugen sehr hoch.

Mit den Emissionen einer Reise im Flieger von Frankfurt nach Bali und zurück könnte man auch rund 190.000 Kilometer mit dem Zug durch Europa fahren. Also alle europäischen Länder mehrfach besuchen!

Beim Fliegen entstehen zusätzlich zu den reinen CO2-Emissionen weitere Treibhausgaseffekte wie Kondensstreifen, Rußpartikel, Wasserdampf und Ozon, die das Klima langfristig schädigen. Fliegen trägt deutlich zur Erhitzung unseres Planeten bei.

Und es wird ein signifikantes Wachstum des weltweiten Flugverkehrs prognostiziert. Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, muss jede Person den persönlichen Fußabdruck stark reduzieren. Grob überschlagen bleiben unter der Annahme

  • eines Restemissionsbudgets von 297 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente (CO2-Uhr des MCC; Stand Dezember 2020)
  • 8,72 Milliarden Menschen auf diesem Planeten (UN-Prognose von 2019)

in den 30 Jahren bis 2050 rund 1,1 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person und Jahr.

Terran unterwegs zu sein hilft dabei, einen eigenen Beitrag zur Zielerreichung zu leisten!

Die meisten Menschen auf der Welt sind terran unterwegs, denn nur ein geringer Teil der Weltbevölkerung hat jemals ein Flugzeug betreten. Flugpassagiere kommen zum Großteil aus dem globalen Norden. Die negativen Folgen des Flugverkehrs müssen jedoch alle tragen.

Allein in Deutschland hat sich die Zahl der Fluggäste seit 1990 verdreifacht. In der Schweiz kommen wohl bis 2030 noch rund 25 Prozent der heutigen Flugreisenden dazu. Verschiedene Prognosen aus der Zeit vor der Corona-Pandemie legen nahe, dass der Flugverkehr global vermutlich sogar noch stärker zunehmen wird.

Besonders die Klimaerhitzung trifft die Menschen aus dem globalen Süden schon heute am härtesten. Fliegen ist somit Teil der globalen Ungerechtigkeit. Wer terran reist, entscheidet sich bewusst dafür, diese Ungleichheit nicht weiter anzufeuern.

 

Fliegen und Klimaschutz: Umdenken nötig

Neues entdecken statt verzichten

Obwohl viele Menschen sagen, dass es wichtig sei, das Klima zu schonen und jede und jeder Einzelne einen wichtigen Beitrag leisten kann und muss, fällt es den Menschen oft schwer, das eigene Verhalten an diese Notwendigkeit anzupassen.

Und diese Anpassung ist auch oft mit einem Gefühl verbunden, auf etwas verzichten zu müssen oder etwas zu verpassen. Aber muss das so sein? Terranes Reisen ist auch eine Chance Neues zu entdecken und eine Reise intensiver zu erleben. Wenn wir sehen und spüren, dass wir damit etwas gewinnen, ist ein Anpassen des eigenen Verhaltens wesentlich leichter, als wenn wir negative Assoziationen mit einer Veränderung haben.

Und genau hier setzen wir mit dem Wort terran an: positive Gefühle und Erfahrungen, kein Verzicht, sondern Gewinn für einen selbst, aber auch für alle Menschen. Wir alle können unseren Alltag, unsere Reisen und viele auch ihre Arbeit terran gestalten.

Go terran! Wie jede und jeder die terrane Idee unterstützen kann

Teil der terranen Bewegung kann jede und jeder werden: Durch die Verbreitung des Wortes und der Idee, durch das Begeistern für terranes Reisen und durch das eigene positive Beispiel. So wie es passt und es die aktuellen Lebensumstände erlauben: als Europa-Terraner*in, als Welt-Terraner*in, bis zu einer bestimmten Entfernung oder im eigenen Land. Hauptsache ist, Reisen und Unterwegssein nachhaltiger und zukunftsfähiger zu machen: indem wir am Boden bleiben!

 

Benjamin Köhler ist Experte für die Wärmewende im Bereich „Energie und Klimaschutz“ am Standort Freiburg. Er ist Mitbegründer des Vereins terran e.V. Anne Siemons ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Energie und Klimaschutz. Sie leitete das Spendenprojekt „Klimaschutz und Flugverkehr“ und ist Mitglied bei terran e.V.

Weitere Informationen

Informationssammlung auf der Website www.fliegen-und-klima.de des Öko-Instituts

www.terran.eco

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