Tschüss Akw!

Das aktuelle Magazin eco@work des Öko-Instituts beleuchtet den Abschied von der Energiegewinnung mittels Kernkraftwerken. Am 15. April 2023, spätestens, werden die beiden letzten Reaktoren in Deutschland vom Netz gehen. Das Bundeskabinett hat am 10. Oktober 2022 die 19. Atomgesetznovelle dazu beschlossen. Ein kurzer Blick auf die Kernkraft in Deutschland.

Als vor 65 Jahren in Garching bei München der erste westdeutsche Forschungsreaktor angefahren wurde, fand die Kernenergie noch parteiübergreifend breite Zustimmung. Doch schon die ersten Proteste einige Jahre später – so 1968 gegen den Reaktor Würgassen – zeigten, wie kontrovers diese Art der Energiegewinnung gesehen wird. Folgenschwere Unfälle wie in Tschernobyl 1986 verdeutlichten außerdem, wie gefährlich sie für die Menschheit werden kann. Es gibt viele gute Gründe für den Ausstieg aus der Atomkraft. Die Wissenschaftler*innen des Öko-Instituts bringen sie seit über 40 Jahren immer wieder ins Bewusstsein.

Denn als Geburtsstunde der Anti-AKW-Bewegung gilt der erfolgreiche Protest gegen das geplante Atomkraftwerk Wyhl Mitte der 1970er Jahre. Aus diesem Konflikt ist 1977 auch das Öko-Institut hervorgegangen.

Im Jahr 2000 hat die rot-grüne Bundesregierung den Ausstieg beschlossen. 2010 aber verlängerte die neue schwarz-gelbe Regierungskoalition die Laufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre. Dies revidierte sie nach Fukushima und beschloss den Atomausstieg bis 2022.

Diskussion wieder entfacht

Nach dem Beschluss des Atomausstiegs war es lange recht ruhig. Doch der Krieg in der Ukraine und drohenden Energieengpässen hat die Diskussion über die Kernenergie neu entfacht. Aus vielen Ecken schallt ein Ruf die Reaktoren länger laufen zu lassen, neue Brennstäbe zu bestellen und einzusetzen und sogar neue Reaktoren zu bauen. Hat die Kernenergie jetzt plötzlich doch wieder eine Zukunft?

Dr. Christoph Pistner vom Öko-Institut hält die Kernenergie trotz allem für ein Auslaufmodell, nicht nur in Deutschland. Er rechnet mit einem „schleichenden Abschied“. Die alten Anlagen könne man nicht „beliebig verlängern – und neue Anlagen sind eben auch einfach zu teuer.“

Anfang November sprach er als Sachverständiger im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages zur Änderung des Atomgesetzes (Laufzeitverlängerung).

Magazin eco@work „Tschüss, AKW“ lesen, Ausgabe Dezember 2022

Weitere Blogbeiträge zum Thema:

Atomausstieg – Mythen zu Streckbetrieb und Laufzeitverlängerung

Energiepolitik in Zeiten des Ukraine-Krieges: Kernkraftwerke statt Erdgas?

Faktencheck zur Kernenergie: Hochradioaktive Abfälle, CO2, Kosten, Sicherheit

Dr. Christoph Pistner ist Physiker und leitet den Bereich Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Standort Darmstadt.

Publikation vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) „Atomausstieg in Deutschland – Viele Aufgaben in der nuklearen Sicherheit bleiben“

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