Spenden

Wann ist ein Weihnachtsbaum „grün“?

Wie umweltverträglich ein Weihnachtsbaum ist, hängt von einigen Faktoren ab: seinem Anbau, seiner Herkunft, seinem Transport, seiner Verwendung und seiner Entsorgung.

Künstlicher oder echter Weihnachtsbaum?

Weihnachtsbäume aus Kunststoff werden zumeist in China unter Einsatz von fossilen Rohstoffen wie Erdöl produziert. Sie werden per Schiff über weite Entfernungen nach Europa transportiert, was Emissionen verursacht. Deshalb sollte ein künstlicher Plastik-Baum über viele Jahre genutzt werden, damit sich Herstellung und Transport gegenüber echten Bäumen amortisieren. Tipp: Den Baum gut verstauen, sodass er auch im nächsten und übernächsten Jahr noch ansehnlich ist.

Echter Weihnachtsbaum, Quelle: Maciej Szewczyk/Pixabay

Echte Bäume werden zum Großteil in Deutschland angebaut, beispielsweise im Hochsauerland. Aber Weihnachtsbäume werden auch importiert. Im Jahr 2018 waren es 2,6 Millionen, die vor allem aus Polen und Dänemark kamen. Aus Deutschland wurden dagegen 740.000 Weihnachtsbäume exportiert. Es handelt sich also um einen weitgehend heimischen Markt. Zu 80 Prozent kaufen die Deutschen Nordmanntannen, die im Vergleich zu den heimischen Fichten weniger stark nadeln. Die Samen zur Anzucht von Nordmanntannen stammen aus Georgien, dem ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Baumart, und müssen relativ aufwändig gesammelt werden.

Schafe als Unkrautvernichter im ökologischen Anbau von Weihnachtsbäumen, Quelle: skitterphoto/pixabay

Weihnachtsbaum im Topf

Weihnachtsbäume zu kaufen, die mit der Wurzel noch eingetopft sind, ist nur dann sinnvoll, wenn sie mehrfach verwendet werden können. Einen eingetopften Baum auszusetzen ist leider oft nicht erfolgreich. Weihnachtsbäume im Topf brauchen intensive Pflege: ausreichend Wasser, wenn sie ins Wohnzimmer geholt werden, und draußen einen frostsicheren Platz, da die Wurzeln im Topf direkt der Kälte ausgesetzt sind.

Der Anbau der Weihnachtsbäume: Plantage

Weihnachtsbaumplantagen gelten nicht als Wald. Die Bäume werden auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut. Oft ist dies Grünland oder es sind Flächen, die nicht als Wald genutzt werden können, beispielsweise unter Stromtrassen.

Wenn Bäume nicht für den Verkauf geerntet werden, würden sie wahrscheinlich trotzdem bald entfernt werden. Denn wachsen Bäume länger auf einer Fläche, wird diese automatisch zu Wald. Der Besitzer oder die Besitzerin könnte diese dann nicht mehr so einfach landwirtschaftlich nutzen.

Grüne Weihnachtsbäume kaufen: Tipps

  1. Herkunft: Weihnachtsbäume aus der Region sollten die erste Wahl sein, um Transportwege zu sparen. Eine schöne Idee ist es – zum Beispiel für Kinder –, mit dem Förster in den Wald zu gehen und dort den Baum selbst zu schlagen. Dies bieten Forstverwaltungen an.

  2. Pestizideinsatz oder Schafe: Öko-Siegel, beispielsweise von Naturland, Bioland, Demeter, das BIO-Siegel oder auch die Zertifizierung des fairen Anbaus (Fair Trees, fairtrees.de) helfen, Bäume zu finden, die unter guten ökologischen Bedingungen angebaut wurden. In solchen Plantagen werden zur Unkrautvernichtung keine Pestizide eingesetzt, sondern Schafe fressen die Gräser weg. Leider sind derzeit nur etwa ein Prozent der gekauften Bäume öko-zertifiziert. Die NGO Robin Wood veröffentlicht eine bundesweite Händerliste für Öko-Weihnachtsbäume.

  3. Online-Shops: Einen Öko-Weihnachtsbaum im Internet zu bestellen kann besser sein, als mit dem eigenen Auto den Baum von weit her zu holen. Vor allem aber hat man im Web eine größere Auswahl und kann leichter an zertifizierte Bäume kommen.

  4. Entsorgung: Die Weihnachtsbäume werden nach dem Fest unter anderem in Kraftwerken verbrannt, um Strom und Wärme zu erzeugen. Man kann sie aber auch für den Kompost zerstückeln. Wichtig ist hierbei, dass der Schmuck komplett entfernt ist und kein Lametta-Haar oder anderer Kunststoff in den Boden gerät.

Fazit

Es ist vielleicht eher eine ästhetische Frage, ob der Weihnachtsbaum zu Hause künstlich oder echt ist. Wie man sich auch entscheidet: Einen Kunstbaum sollte man möglichst viele Jahre nutzen. Wenn es ein echter sein soll, dann am besten von einem zertifizierten Öko-Betrieb aus der Region.

Dr. Hannes Böttcher ist Senior Researcher im Bereich Energie & Klimaschutz am Standort Berlin. Ein Arbeitsschwerpunkt sind Biomassepotenziale aus Land- und Forstwirtschaft. Er kauft seine Nordmanntanne beim „Verkauf ums Eck“, und trägt sie nach Hause.

Keine Kommentare

Neuer Kommentar

* Pflichtfelder