Sonne auf dem Balkon zu Strom machen, Quelle: Plainpicture/ Mia Takahara

Warum gemeinsam Sonne vom Balkon nutzen? Drei Fragen an Marius Albiez von „Dein BalkonNetz“

Solarenergie im Alltag ausprobieren und von ihren Vorteilen profitieren – viele Menschen können das nicht. Etwa, weil sie zur Miete wohnen. Oder weil eine Solaranlage für das eigene Dach zu teuer ist. Hier setzt das Projekt „Dein BalkonNetz“ an: Es stellt 22 Haushalten kostenlos für ein Jahr eine Mini-Solar-Anlage zur Verfügung, die etwa zehn Prozent des Strombedarfs eines Ein- bis Zwei-Personen-Haushaltes deckt. So soll auch ein Netzwerk für die Betreiber*innen der Mini-Solaranlagen entstehen. Drei Fragen an Marius Albiez, Ko-Projektleiter von Dein BalkonNetz.

Herr Albiez, was ist die Grundidee von Dein BalkonNetz?

Marius Albiez Quelle:Privat

Marius Albiez, Quelle: Privat

Ein gemeinsames Projekt für ganz unterschiedliche Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu schaffen – auch für diejenigen, die bislang bei der Energiewende unterrepräsentiert sind. Beispielsweise spricht das Vorhaben gezielt Frauen an oder Personen, die sich ein Solarmodul vielleicht nicht leisten können. 22 Teilnehmende erhalten auf diese Weise die Möglichkeit, Energiewende selbst auszuprobieren und werden dabei forscherisch begleitet.

Welche Bedeutung hat der Netzwerk-Gedanke?

Eine sehr hohe. Am Anfang des Projektes stand ja die Idee, mit Menschen zu arbeiten, die Solarenergie im Alltag ausprobieren wollen. Und wir haben schnell gemerkt, dass der Gemeinschaftsaspekt sehr wichtig ist. An den Informationsveranstaltungen im April 2021 haben rund 220 Menschen online teilgenommen – und da waren auch welche dabei, die schon Solaranlagen auf ihren Balkonen betreiben und trotzdem mitmachen wollten. Oder solche, die zwar nicht unmittelbar am Projekt beteiligt sein können, aber von einer Sammelbestellung profitieren. Es zeigt sich auch, wie wertvoll der Austausch von Erfahrungen ist, sie sind unverzichtbar für Veränderungsprozesse. Gerade, wenn es um den Energiebereich geht. Denn wer sich in Sachen Energie nachhaltiger verhalten will, muss tiefer in die damit verbundenen technischen oder rechtlichen Fragen entsteigen als etwa jene Menschen, die ihre Ernährung anpassen. Da kann es etwa um die Frage gehen, wie so eine Anlage aufgebaut wird. Welche Vorgaben es dafür gibt. Oder darum, wie man den Vermieter oder die Vermieterin davon überzeugt, die Anbringung zu gestatten. Der Austausch ist bei Dein BalkonNetz über ein Online-Forum möglich. Wir werden zudem Workshops veranstalten.

Welche Ergebnisse versprechen sie sich von diesem Projekt?

Dass sich Menschen über die Kleinanlagen in das Thema Energie einbringen, die es sonst nicht tun würden – etwa, weil sie technisch nicht interessiert sind, keinen Zugang oder nicht genug Geld haben. Aber auch: Der Politik zu zeigen, dass es sich lohnt, auch kleinteilig zu denken. Und damit vielleicht sogar Förderungen für ähnliche Projekte auf den Weg zu bringen. Oder vielleicht sogar ganz eigenständige Projekte der Kommunen. Und natürlich wollen wir selbst von dein BalkonNetz lernen. Wie gut funktioniert eine solche Initiative? Wie lassen sich Hürden überwinden? Und welche Hemmnisse gibt es vielleicht, an die wir bislang gar nicht gedacht haben? Wir wissen zum Beispiel noch nicht, ob und wie sich der Denkmalschutz oder auch der Fachkräftemangel auf so ein Projekt auswirken können.

Marius Albiez ist Ko-Projektleiter von Dein BalkonNetz. Seit 2018 ist er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) tätig, derzeit in der Forschungsgruppe „Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Transformation“. Die inhaltlichen Schwerpunkte des Geoökologen liegen auf der Reallaborforschung sowie der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung.

Weitere Informationen

„Dein BalkonNetz“ ist im Rahmen der Projekte „Energietransformation im Dialog“ und „Seeds for SEETS“ entstanden. Dein BalkonNetz ist Teil von Reallaboraktivitäten in Karlsruhe, bei denen Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam an zukunftsfähigen Lösungen arbeiten. Themenseite „Dein BalkonNetz – Energie schafft Gemeinschaft“

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