Wohnraum mieten, Quelle: Plainpicture/Werner Dietrich

Wie unterschiedlich Mieter*innen und Gebäude-Eigentümer*innen in Deutschland leben

Im Gebäudesektor können zukünftig viele CO2-Emissionen eingespart werden. Investiert werden muss dazu massiv in Energieeffizienztechnologien wie die Dämmung von Wänden und Dächern und in erneuerbare Heizungen, wie Wärmepumpen. Das wird sich auf die Geldbeutel von Eigentümer*innen und Gebäudenutzer*innen auswirken. Für eine sozialgerechte Umsetzung ist es wichtig, die betroffenen Gruppen näher anzuschauen. Dafür hat Dr. Sibylle Braungardt sich die Daten der Mikrozensus Zusatzerhebung zum Wohnen in Deutschland angeschaut.

Dr. Sibylle Braungardt, Quelle: Öko-Institut

Bei Investitionen in effiziente Gebäude und erneuerbare Heizungen entstehen Kosten, durch die in den darauffolgenden Jahren aber Energiekosten gespart werden. In vermieteten Gebäuden besteht hier das so genannte Mieter-Vermieter-Dilemma: Denn die Investition tätigt in der Regel die Eigentümer*innen, während die Mieter*innen die Energiekosten zahlen.

Derzeit können Vermieter*innen die Kosten über die so genannte Modernisierungsumlage anteilig auf Mieter*innen umlegen. Der Koalitionsvertrag kündigt an, die Umstellung auf ein Teilwarmmietenmodell zu prüfen, in dem das heutige Modell der Modernisierungsumlage aufgehen soll. Zudem sollen die Kosten für den CO2-Preis laut Koalitionsvertrag zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen geteilt werden.

Mieter*innen-Quoten sind unterschiedlich verteilt in Deutschland

Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten hat Deutschland mit mehr als 50 Prozent der Haushalte einen hohen Anteil an Mietwohnungen.

Die nachfolgende Karte zeigt, welche Unterschiede innerhalb Deutschlands zwischen den einzelnen Bundesländern bestehen. So ist die Mietquote besonders in den Stadtstaaten Berlin mit fast 83 Prozent und Hamburg mit über 76 Prozent im bundesweiten Vergleich am höchsten. Im Osten des Landes mieten mehr Menschen Wohnungen und Häuser als in west-, süd- und norddeutschen Bundesländern (mit Ausnahme von Hessen und Nordrhein-Westfalen). Besonders niedrig ist der Anteil an Mieter*innen im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Mieter*innen leben überwiegend in Mehrfamilienhäusern, Eigentümer*innen in Einfamilienhäusern.

Bei näherer Betrachtung der Verteilung von Mietwohnungen und selbstnutzenden Eigentümer*innen fällt auf, dass Mieter*innen überwiegend in Mehrfamilienhäusern leben. Der Anteil von Eigentümer*innen, die in Mehrfamilienhäusern wohnen, ist jedoch im Vergleich klein. Über 12 Millionen Einfamilienhäuser werden von den Eigentümer*innen bewohnt. Lediglich 2,4 Millionen Einfamilienhäuser werden gemietet.

Abbildung 2: Vergleich der Gebäudeart von Mietwohnungen und selbstnutzenden Eigentümer*innen, Quelle: Öko-Institut

Abbildung 2: Vergleich der Gebäudeart von Mietwohnungen und selbstnutzenden Eigentümer*innen

Mieter*innen wohnen auf kleinerer Fläche als selbstnutzende Eigentümer*innen.

Darüber hinaus zeigen die Daten des Mikrozensus auch, dass nicht nur weniger Mieter*innen in Einfamilienhäusern leben, sondern insgesamt auch auf deutlich weniger Fläche als Eigentümer*innen.

Abbildung 3: Vergleich der Wohnungsgrößen von Mieter*innen und selbstnutzenden Eigentümer*innen

So sind Wohnungen mit unter 40 Quadratmetern Fläche zu mehr als 95 Prozent von Mieter*innen bewohnt. Wohnungen mit mehr als 140 Quadratmetern hingegen sind zu fast 90 Prozent von selbstnutzenden Eigentümer*innen bewohnt.

Je höher das Einkommen, desto höher der Anteil an selbstnutzenden Eigentümer*innen.

Die Unterschiede zwischen den Bewohnenden lassen sich auch im Einkommen feststellen. So leben fast 76 Prozent derjenigen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 6.000 Euro im Eigentum. Auf der anderen Seite leben 85 Prozent derjenigen, die über ein geringes monatliches Haushaltsnettoeinkommen von unter 900 Euro verfügen, in Mietwohnungen. Die Grafik veranschaulicht: Je höher das Einkommen, desto eher leben die Menschen in ihrem Eigentum. Und andersherum: Je geringer das Einkommen, desto höher der Anteil der Mieter*innen.

Abbildung 4: Verteilung von Mieter*innen und selbstnutzenden Eigentümer*innen nach Einkommen

Selbstnutzende Eigentümer*innen heizen am ehesten mit Erneuerbaren

Einen weiteren interessanten Vergleich zeigt die Energieart der Beheizung. Sowohl bei selbstnutzenden Eigentümer*innen als auch bei Mieter*innen ist Gas der mit Abstand wichtigste Energieträger, gefolgt von Heizöl und Fernwärme. Fernwärme spielt bei selbstnutzenden Eigentümer*innen jedoch eine eher untergeordnete Rolle. Viel höher ist der Anteil der Mietwohnungen, die mit Fernwärme beheizt werden. Dies lässt sich an dem hohen Anteil an Mieter*innen in städtischen Regionen mit Fernwärmenetz begründen. Anders verhält es sich bei den erneuerbaren Energieträgern. Zwar werden insgesamt nur rund 1,7 Millionen Wohnungen mit erneuerbaren Energien beheizt, jedoch sind dies mit einem Anteil von rund 72 Prozent in erster Linie Wohnungen von selbstnutzenden Eigentümer*innen.

Abbildung 5: Vergleich der Energieart der Beheizung von selbstnutzenden Eigentümer*innen und Mieter*innen

Fazit

Der Beitrag zeigt: Es gibt große Unterschiede zwischen selbstnutzenden Haushalten und Mietshaushalten. Dies betrifft sowohl die Art der Gebäude als auch das Einkommen und die Beheizungsstruktur.

Für eine sozialgerechte Transformation des Gebäudesektors folgt daraus:

  • Umstieg auf erneuerbare Energien: Sowohl bei Haushalten in selbstgenutzten Gebäuden als auch bei Mietshaushalten dominieren Erdgas und Heizöl. Zur Erreichung eines klimaneutralen Gebäudebestandes muss ein Umstieg auf erneuerbare Energien erfolgen. Vor allem muss es Anreize für Vermieter*innen geben, die Gebäude umzurüsten.
  • Effiziente Flächennutzung: Die Wohnflächen sind in vermieteten Gebäuden deutlich kleiner. Die größten Potenziale Wohnraum effektiver zu nutzen bestehen somit in selbstgenutzten Gebäuden. Im Klartext: Das größte Potenzial, dem Klima zuliebe auf weniger Wohnraum zu leben, liegt bei Eigentümer*innen.
  • Sozialverträglichkeit: Der Anteil an einkommensschwachen Haushalten ist bei den Mieter*innen deutlich höher als bei selbstnutzenden Eigentümer*innen. Eine gerechte Verteilung der Kosten für den Klimaschutz im Gebäude ist zentral.

Dr. Sibylle Braungardt aus dem Bereich Energie & Klimaschutz des Öko-Instituts in Freiburg beschäftigt sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit der Wärmewende. Der Beitrag entstand unter Mitarbeit von Clara Schlomann.

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