Windgas für Fernwärme, Quelle Plainpicture/ Öko-Institut

Windgas aus überschüssigem Öko-Strom

Seit 2011 bietet Greenpeace Energy einen Tarif an, bei dem konventionelles Erdgas mit Wasserstoff aus Windkraft ergänzt wird. Hierfür betreibt und installiert der Ökoenergieanbieter so genannte Elektrolyseure und kauft Wasserstoff von anderen Elektrolyseur-Projekten an. Welche Rolle kann Windgas in Zukunft spielen? Diese Frage beantwortet Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation beim Ökoenergie-Anbieter.

Marcel Keiffenheim, was war der Anlass für das Windgas-Projekt?

Wir haben gesehen, dass die Energiewende allein mit Strom nicht vollständig umzusetzen ist, weil es Bereiche gibt, die praktisch nicht zu elektrifizieren sind, und weil allein mit der direkten Nutzung von Strom aus Wind und Sonne die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet ist.

Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy

Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy

Daher haben wir uns mit der Frage beschäftigt: Wie können wir regenerativen Strom, der überschüssig ist, in Wasserstoff verwandeln? Und ihn dann zum Beispiel nutzen, wenn zu wenige erneuerbare Energien zur Verfügung stehen? Wir wollten durch unsere Projekte lernen, wie wir die Technologie optimal einsetzen und voranbringen können. Und den vorhandenen Betreiberinnen und Betreibern von Elektrolyseuren einen Absatzmarkt bieten. Daher mischen wir den aus Windkraft gewonnenen Wasserstoff konventionellem Erdgas bei – das natürlich in Zukunft durch erneuerbares Gas zu ersetzen ist.

Woher beziehen Sie heute den Wasserstoff?

Aus unterschiedlichen Quellen, zum Teil kaufen wir ihn nur ein – so etwa von Enertrag in Prenzlau oder von Wind2Gas Energy in Brunsbüttel – zum Teil betreiben wir selbst Elektrolyseure, zum Beispiel in Haßfurt, wo wir mit den dortigen Stadtwerken zusammenarbeiten.

Derzeit liegt der Anteil von Wasserstoff in Ihrem Windgas-Angebot bei unter einem Prozent. Soll dieser Anteil perspektivisch steigen?

Auf jeden Fall. Schließlich wird Deutschland eine Menge Wasserstoff brauchen in Zukunft. Und wir gehen davon aus, dass sich ein Viertel der Nachfrage über eine einheimische Produktion decken lässt. Aber wir wollen auch die Zahlungsbereitschaft unserer Kundinnen und Kunden nicht überstrapazieren – solche Projekte sind schließlich immer noch sehr teuer. Außerdem nehmen wir nicht jedes beliebige Wasserstoffprojekt auf. Wir wollen Elektrolyseure so integrieren, dass sie der Energiewende nicht im Wege stehen.

Wie gewährleisten Sie das?

Indem wir ganz klar nicht auf eine bestimmte Menge abzielen, sondern uns klar dafür entscheiden, dass die Technologie sinnvoll eingesetzt ist. Wir achten auf eine dynamische Betriebsweise, also zum Beispiel darauf, dass die Elektrolyseure nur laufen, wenn überschüssiger erneuerbarer Strom zur Verfügung steht. So werden zum Beispiel in Schleswig-Holstein immer wieder Windparks abgeregelt, weil der Strom nicht abtransportiert werden kann. Bei unserem neuen Windgas-Projekt in Haurup nahe der dänischen Grenze beispielsweise erhält der Elektrolyseur das Signal zum Hochfahren vom Netzbetreiber. So kann der Windpark weiterproduzieren und wir nutzen den Strom für Windgas. Gleichzeitig könnte Windgas das Überleben älterer Windparks wirtschaftlich sichern, die heute oft nicht mehr kostendeckend arbeiten.

Welche Rolle sehen Sie für Wasserstoff im zukünftigen Energiesystem?

Wasserstoff sollte gezielt eingesetzt werden in jenen Bereichen, die nicht so leicht zu elektrifizieren sind und für die erneuerbares Gas notwendig sein wird.

Wir bringen derzeit Windgas in den Wärmebereich. Natürlich ist es effizienter, eine Wärmepumpe zu betreiben, aber das können sich Mieterinnen und Mieter in der Regel nicht aussuchen – mit Windgas können sie dennoch eine neue Technologie fördern.

Auch als Speichertechnologie könnte grüner Wasserstoff sinnvoll sein, im Sinne einer nationalen Wasserstoffreserve. Wir sind dafür, mehr Elektrolyseure zu installieren, aber nur, wenn gleichzeitig und in gleichem Umfang auch die regenerativen Energien ausgebaut werden. Schließlich wollen wir nicht fossile Energien pushen, sondern diese so schnell wie irgend möglich ersetzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Christiane Weihe.

Marcel Keiffenheim ist Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. Dort hatte er 2007 als Pressesprecher begonnen. Zuvor arbeitete er 20 Jahre lang als Journalist, unter anderem für die Frankfurter Rundschau.

Beitrag „Wind in der Heizung“ im Magazin „eco@work“ des Öko-Instituts

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