Energeiverbrauch-private-Haushalte

Private Haushalte verbrauchen immer mehr Energie. Warum?

Das statistische Bundesamt hat kürzlich errechnet, dass private Haushalte in den eigenen vier Wänden im Jahr 2019 mehr Energie verbrauchten als im Vorjahr. Woran liegt das? Und setzt sich diese Entwicklung fort? Die Forscherinnen Katja Hünecke und Dr. Katja Schumacher vom Öko-Institut beantworten diese Fragen und zeigen, dass der Stromverbrauch nicht das Problem ist.

Es gibt viele Gründe dafür, dass der Energieverbrauch in den Wohnungen und Häusern steigt. Denn unser Energieverbrauch bedeutet nicht nur Stromverbrauch. Die Wärmenutzung im Haushalt ist der eigentliche Treiber. Etwa 85 Prozent des Verbrauchs gehen auf das Konto von Raumwärme und Warmwasser.

Sanierungen, Wärme, erneuerbare Energien

Der Energieverbrauch und die Treibhausgas(THG)-Emissionen im Gebäudesektor sind in den vergangenen Jahren kaum gesunken. Im Jahr 1990 summierten sich die THG-Emissionen auf rund 208 Millionen Tonnen. Sie sanken in den 21 Jahren bis 2011 auf circa 130 Millionen Tonnen und schwanken seitdem um diesen Wert. Die Gründe für die Stagnation und somit die nur minimalen Fortschritte beim Klimaschutz im Gebäudesektor sind vielfältig (Schumacher et al. 2021):

  1. Die Sanierungsrate stagniert seit Jahren bei etwa einem Prozent! Nötig wäre für die Erreichung der langfristigen Klimaschutzziele eine Sanierungsrate von mindestens zwei Selbst wenn der spezifische Endenergiebedarf pro Quadratmeter sinkt, wird dieser positive Effekt durch den Anstieg der Wohnfläche pro Kopf – zumindest teilweise – wieder aufgehoben, da immer größere Wohnflächen beheizt werden (müssen).
  2. Ein weiterer Aspekt ist die Erhöhung der Innentemperatur der Wohnräume nach einer Sanierung im Bestand und in neu errichteten Gebäuden. Der Effekt kann zum Beispiel eintreten, wenn Haushalte ihre Raumtemperatur zuvor niedrig hielten, um Kosten zu sparen, und sich nach Sanierung mehr Wärmekomfort leisten können. Er wird in der Literatur auch Rebound-Effekt genannt. Dies führt ebenfalls zu geringeren Energieeinsparungen als erwartet.
  3. Einen wichtigen Beitrag zur Emissionsminderung bei der Wärmebereitstellung in Gebäuden müssen erneuerbare Energien Der Anteil erneuerbarer Energien steigt im Bereich Wärme aber insgesamt nur sehr langsam und die Nutzung erneuerbarer Energien spielt insbesondere in Bestandsgebäuden bisher eine untergeordnete Rolle.

Wie sieht es mit dem Stromverbrauch in den Haushalten aus? Und wie wirkt sich die Corona-Pandemie darauf aus?

Der größte Teil des Haushaltsstroms  wird für Fernsehen, Informationstechnik, Audio (27 %) Kühlen und Gefrieren (17 %), Waschen und Trocknen (13 %), Kochen (11 %) verbraucht. Die Beleuchtung hat einen relativen kleinen Anteil (9 %).

Lässt Corona die Stromverbräuche steigen? Die Vermutung liegt nahe, ist in diesen Zahlen aber noch nicht zu sehen, da sie nur bis einschließlich 2019 zur Verfügung stehen. Wir müssen uns dafür noch ein Jahr gedulden.

Für Neugierige: Ja, im Home-Office wird mehr privater Haushaltsstrom und mehr Heizenergie verbraucht. Aber gleichzeitig werden Treibhausgasemissionen durch den Rückgang des Pendelverkehrs und Wegfall von Dienstreisen eingespart. Büttner und Breitkreuz (2020) berechnen, dass ein zusätzlicher Home-Office Tag in Deutschland 1,6 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einspart.

Was die häuslichen Videokonferenzen verbrauchen

Die gute Nachricht: Videokonferenzen sind – trotz Strombedarf – umweltschonender als Dienstreisen. Gröger (2020) berechnet, dass pro Videokonferenz 732 Gramm CO2-Äquivalente anfallen. Dafür wird angenommen, dass täglich vier Stunden virtuell getagt wird. Pro Jahr entspricht das für tägliche Videokonferenzen à vier Stunden 267 Kilogramm CO2-Äquivalenten. Dies ist im Vergleich zu den 11,6 Tonnen CO2-Äquivalenten, die die Bundesbürger durchschnittlich pro Jahr verbrauchen, relativ überschaubar.

Energiesparen lohnt sich trotzdem und muss auch stetig weiter vorangetrieben werden. Die Lösungen kennen Sie sicher: Licht aus, Steckerleiste aus, energiesparende Haushaltsgeräte kaufen, Wohnung nicht überheizen, Gebäude dämmen, Wassersparbrausen und ja, beim Kochen nicht den Deckel auf dem Topf vergessen.

Katja Hünecke und Dr. Katja Schumacher grüßen die Leserinnen und Lesern des Blogs aus den energiesparenden Homeoffices in Berlin und Darmstadt. Sie sind Expertinnen für soziale Aspekte von Energie- und Klimaschutz im Institutsbereich Energie & Klimaschutz.

Mehr Informationen:

Büttner, L.; Breitkreuz, A. (2020): Arbeiten nach Corona Warum Homeoffice gut fürs Klima ist. Im Auftrag von Greenpeace.

Destatis (2021): Energieverbrauch privater Haushalte für Wohnen 2019 weiter gestiegen.

Gröger, J. (2020): DigitalerCO2-FußabdruckDatensammlung zur Abschätzung von Herstellungsaufwand, Energieverbrauch und Nutzung digitaler Endgeräte und Dienste. Im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND).

Schumacher, K.; et al.. (2021): Verteilungswirkungen ausgewählter klimapolitischer Maßnahmen im Bereich Wohnen. Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

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Kommentare
  1. Schlenkrich

    Interessant, ABER: Wer in Physik aufgepasst hat (und nicht bei den Friday-Schul-Schwänzern mit dabei war) weiß, dass Energie niemals verbracht werden kann. Sie kann nur umgewandelt werden. Unabhängig davon sollte man auch zuhause mal nachdenken, was man wirklich braucht und was „Luxus“ ist, auf den man auch mal mit gutem Gewissen verzichten kann…

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